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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
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III

Meine These ist, daß die Schwierigkeiten in der Literaturversorgungnicht spontan aufgetreten sind. Sie stellen vielmehr die Endphaseeiner langen Entwicklung dar, die in den letzten Jahrzehnten desneunzehnten Jahrhunderts eingeleitet wurde. Verschlimmert durchdie Nachwirkungen zweier Weltkriege, aber keineswegs alleindadurch bedingt, hat diese Entwicklung zu den heutigen Zuständengeführt.

Am Ausgang des neunzehnten Jahrhunderts mußten die bis dahinstark vernachlässigten Bibliotheken auf die Erfordernisse desmodernen Wissenschaftsbetriebs abgestellt werden. Diese Anpas-sung erfolgte in einer Weise, die nicht nur von der Sache herinadäquat war, sondern die sich zu einem späteren Zeitpunkt alsforschungshemmend erweisen mußte. Pointiert gesagt, haben sichdie Strukturen des wissenschaftlichen Bibliothekswesens inDeutschland über einen langen Zeitraum in eine Richtung ent-wickelt, die von idealen institutionellen Voraussetzungen für diegeisteswissenschaftliche Forschung wegführt und ihnen in vielerHinsicht sogar zuwiderläuft.

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Vergegenwärtigt man sich, welche institutionellen Voraussetzungenfür den geisteswissenschaftlichen Forschungsprozeß förderlich,wenn nicht unabdingbar sind (Kapitel I), so wird im historischenRückblick eine Fehlentwicklung deutlich. Die Geschichte derLiteraturversorgung der Geisteswissenschaten in Deutschland istseit etwa 1890 eine Geschichte von bibliothekspolitischen Ent-scheidungen gewesen, die entweder in Unkenntnis der wissen-schaftlichen Erfordernisse oder unter bewußter Zurücksetzungdieser Erfordernisse getroffen worden sind (Kapitel II). Überdiesgibt sich zu erkennen, daß die Gegenwartsprobleme der Lite-raturversorgung zu einem nicht geringen Teil aus der Fortführungund Verfestigung des am Ende des neunzehnten Jahrhundertseingeführten Systems resultieren (Kapitel III, 1).

In einem dezentralisierten Bibliothekssystem wie dem deutschen istdie zentrale Erschließung des nationalen Literaturreservoirs dieeinzige Möglichkeit zur Sicherung der Literaturversorgung. Fehlt sie