var des Klosters. 1529 erhielt er als Pfründe zusätzlich eine Vikarie an der Stepha-nikirche im seit 1490 nur noch teilweise zu Werden gehörenden Helmstedt. Er, derdrei Äbten als Säkularkleriker gedient hat - er ist nie Konventsmitglied geworden -,wurde auf dem Gemälde des Werdener Hochaltars als Kaplan des hl. Liudger dar-gestellt. Er starb am 9. März 1555 sicher mehr als siebzigjährig.
Johannes Cincinnius war der bei weitem bedeutendste Anreger des Werdener Gei-steslebens in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Das literarische Werk diesesgroßen Humanisten ist recht vielschichtig. Es umfaßt neben dem ja noch allgemeinvorherrschenden Latein auch Volkssprachliches und reicht von der Hagiographie("Vita divi Ludgeri") bis zum ersten ausführlichen deutschsprachigen Bericht überdie Varusschlacht. Bemerkenswert ist auch sein echt volkstümliches "Frageboich"("mit den geleirden hain in hiir ynne geyn doen").
Bei der 1515 in Köln bei Quentel erschienenen Vita des Klostergründers Liudgerhandelte es sich um eine Auftragsarbeit des Klosters Werden für den westfälischenHumanisten. Cincinnius berichtet in der Vorrede, daß er von den Mönchen gebetenwurde, den Druck einer Vita ihres Vaters Liudger zu veranlassen und zu betreuen.Da dem Humanisten keine der handschriftlich vorhandenen mittelalterlichen Vitenausreichend schien, entschloß er sich, aus diesen und aus anderen schriftlichenQuellen eine neue Lebensbeschreibung zusammenzustellen und auch die mündlicheTradition zu berücksichtigen. Cincinnius hat das Manuskript bereits 1512 fertigge-stellt.
Die 1539 - ebenfalls bei Quentel in Köln - erschienene älteste volkssprachliche Ein-zelschrift über die Varusschlacht, durch die der Werdener Humanist die bei denGelehrten durch die Wiederentdeckung des Tacitus (bes. in der zweiten Hälfte des15. Jahrhunderts) veranlaßte erste Arminiusbegeisterung in breitere Schichten trug,ist ein Werk von größtem und lange andauerndem Einfluß. Selbst wissenschaftsge-schichtlich ist der in niederdeutscher Sprache verfaßte Bericht des Cincinnius nichtohne Bedeutung, da er der falschen mittelalterlichen Lokalisierung der Varus-schlacht in die Gegend von Augsburg endgültig den Boden entzog. Schließlich istdarauf hinzuweisen, daß Cincinnius durch sein Werk auch einen durchaus von ihmselbst gewollten Einfluß auf das regionale Sonderbewußtsein Westfalens hatte.Quellen der Darstellung des Cincinnius sind: Velleius Paterculus II, 117-119; Li-vius, Epitome libri 142; Strabo VII 1, 3-4; Florus IV 12, 23 u. IV 12, 30-38;Sueton, Aug. 23; Tacitus, Ann. I, 60-63. Cincinnius kann diese nicht alle durchWerdener Handschriften kennengelernt haben und auch nicht durch neue Ausgabendes 16. Jahrhunderts. Ein guter Teil seiner Quelleninformation muß aus Inkunabel-
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