Das Verhältnis zwischen lateinischen und volkssprachlichen Drucken ist gegenüberdem von der Forschung vermuteten für die Gesamtzahl aller Inkunabeln noch mehrzugunsten der lateinischen Titel verschoben. Bei den volkssprachlichen fällt der re-lativ hohe Anteil der niederdeutschen (einschl. der westniederdeutschen, dem nie-derländischen "Oosters" nahestehenden) und der relativ niedrige Anteil der hoch-deutschen Texte auf. (Das Hochdeutsche war im 15. Jh. keine dem niederrheini-schen Klerus und Adel vertraute Sprache.) Inhaltlich haben selbstverständlich dietheologischen und kanonistischen Werke den größten Anteil. Besondere Beachtungverdient die Erbauungsliteratur im Geiste der Devotio moderna.
Von höchstem Wert für die Forschung ist aber ein Teil der in der Düsseldorfer In-kunabelsammlung enthaltenen liturgischen Werke, insofern die in einigen Fällensehr seltenen Drucke diözesane Eigenliturgien enthalten. So ist hier z.B. das ein-zige erhaltene Exemplar des einzigen je veranstalteten Druckes des "BreviariumSverinense", also der Eigentexte des Stundengebetes in der Diözese Schwerin, vor-handen (GW 5471). - Die recht zahlreichen liturgischen Drucke, die Propria derKölner Liturgie enthalten, von denen etliche übrigens aus oberdeutschen Offizinenstammen, stellen insgesamt einen für die Forschung beachtlichen Fundus dar. Inaller Regel sind diese Drucke aber nicht nur in der Düsseldorfer Sammlung, son-dern auch in einigen anderen rheinischen Bibliotheken (bes. in der Universitäts-und in der Diözesanbibliothek Köln) vorhanden.
Von nur wenigen Ausnahmen abgesehen, sind alle Inkunabeln der Sammlung Ei-gentum der Stadt Düsseldorf. Sie wurden zusammen mit den mittelalterlichenHandschriften der ehemaligen Düsseldorfer Landes- und Stadtbibliothek der Uni-versitätsbibliothek Düsseldorf als Dauerleihgabe übergeben. Dies geschah aufgrundeines Vertrages, der von Seiten der Universität am 8. März 1977 unterschriebenwurde, nachdem für die Stadt bereits am 22. Dezember 1976 deren Oberstadtdi-rektor unterzeichnet hatte. Die tatsächliche Übergabe erfolgte am 23. März 1977.
Die zum Depositum "Binterim" gehörenden Inkunabeln sind wie das gesamte De-posit eine Dauerleihgabe der katholischen Pfarrgemeinde St. Martin in Düsseldorf-Bilk. Nur sehr wenige Inkunabeln, verstreut über die verschiedenen Signaturen-gruppen, sind Eigentum der Heinrich-Heine-Universität. Es handelt sich dabei umEinzelstücke, die seit 1982 - meist angebunden an jüngere Druckwerke - im Biblio-theksbestand entdeckt wurden und deren Existenz in Düsseldorf vor der in jenemJahre begonnenen groß angelegten Altbestandserschließung (von der die Inkunabel-katalogisierung nur einen Teil darstellt) unbekannt war.