79
Heinrichs VIII., der auch ein ungemein großes Goldgefäß ge-schenkt hatte, das mit zwei Einhörnern unter all den Kostbar-keiten auf dem Anrichtetisch des Kaisers die Aufmerksamkeitauf sich zog. Inmitten des Saales hielt die Musik, bis der Pfalz-graf mit den ersten Speisen erschienen war und sie dem Kaiservorgesetzt hatte. Er hatte das Kunststück glücklich erledigt,auf seinem Rosse vier silberne Schüsseln mit Speisen, jedeSchüssel drei Mark schwer, von der Küche zum Rathause zubringen, abzusteigen und sie dann dem Kaiser darzubieten.Vor ihm ging dabei als Vertreter Sachsens Pappenheim mitdem Marschallstabe. Dem Könige von Böhmen als dem Erz-schenk oblag es, ein silbernes, mit Wein und Wasser gefülltesGefäß von 12 Mark Gewicht in gleicher Weise zu bringen; daer fehlte, hatte das wohl der Schenk von Limpurg besorgt.Auch darüber war ein Streit mit dem Vertreter des Böhmen-königs entstanden 11 , und nach der ersten Erfüllung des Rechteshatte man am Tage zuvor den Pfalzgrafen Friedrich zum Amtebestimmt, dem Kaiser einzuschenken. Nachdem die hohen Erz-ämter einmal erfüllt waren, nahmen gemäß der Goldenen Bulleauch sie ihren Platz ein und die erblichen Unterämter über-nahmen den Dienst. Alle Speisen wurden den höchsten Herr-schaften von Grafen und Rittern zugetragen. Es gab fünf Gängezu je zehn Gerichten, aber es gab ja auch Schaugerichte: Burgen,Bäume, Löwen, Adler, die mit den Fähnchen des deutschen undder spanischen Reiche geschmückt waren 12 . Einer an den unte-ren Tischen rühmte, wie auch ihnen dieselben Speisen und Ge-tränke gereicht worden seien wie der Majestät 13 . Es wird auchdieses Mal gegangen sein wie bei der Krönung von Maximilianund dem letzten Aachener Krönungsmahle: was übrig blieb,aber auch ganze Gerichte, wie ganze Hasen, Lämmer undFische, wurden zu den Fenstern hinaus dem Volke zuge-worfen, das sich darum stritt.
Es war eine alte Sitte, daß der Gekrönte dem Volkeeinen Ochsen schenkte. Seine Hörner und Klauen wurden ver-goldet und dann wurde er öffentlich vor des Königs Quartieroder in der Nähe am Spieße gebraten und in dem Ochsen stakein Kalb, im Kalbe eine Gans, in der Gans eine Henne und in