Inspectionen und Festlichkeiten. 41
Kaisers konnte .derartiges gewonnen werden; nie undnimmer hätte das ein Beugnot oder Roederer durch nochso begründete Anträge durchsetzen können, was nun alsein Denkmal seiner Anwesenheit der grosse Kaiser hin-terlassen hat. Die Stadt wurde durch diesen Akt per-sönlicher Huld reichlich für das entschädigt, was ihr derkaiserliche Besuch gekostet hatte. *) —
Während so der Kaiser mit prüfendem Auge die Stadtdurchzog und sich nebenbei auch überzeugte von derguten Gesinnung der Bewohner**), machte seine Gemahlineine Ausfahrt nach Grafenberg und dem Haus Roland***)und genoss von dieser Höhe aus den an solchen klarenHerbsttagen wirklich höchst reizvollen Ausblick auf dieweite wellige Ebene.
Erst das kleine Familiendiner vereinigte die Herr-schaften wieder am späteren Nachmittag. Graf Beugnothatte dazu vom Kaiser eine Einladung bekommen — zuseiner grössten Verwunderung. Er meinte nämlich, nachden Ereignissen dieses Morgens das letzte Mal mit demKaiser gearbeitet zu haben. Höchst drollig schildert eruns, wie er gerade mit seiner Frau ans Einpacken ge-dacht habe, als er die Einladung zum Diner erhalten,wie er erst gar nicht an diese Botschaft geglaubt und erst-auf vielfältiges Zureden Marets sich entschlossen habe,wirklich zu erscheinen.
Es wird nicht ohne Interesse sein, zu hören, was eruns über dies Diner berichtet.
Wie Beugnot beklommenen Herzens eintrat, war derKaiser allein mit dem Prinzen von Neufchätel (Berthier)und promenirte mit diesem durchs Zimmer. Beugnotmachte zwei tiefe Verbeugungen und stellte sich auf dieSeite. Der Kaiser ging auf ihn zu und fragte: „Nun,grosser Einfaltspinsel, hat er seinen Kopf wieder ge-funden?" Beugnot verneigte sich stumm. Nun zupfte ihnder Kaiser ein wenig an den Ohren, als Zeichen gnä-diger Herablassung, — und alles war vergessen. In demsich hierauf nun entspinnenden Gespräch verglich derKaiser seine Vertheilungs-Ordonnanzen mit Brücken-geländern und setzte Beugnot freundschaftlich ausein-
*) Die Kosten der Festlichkeiten betragen im ganzen 32,723 fr.;Beugnot schlug vor, sie auf den Staat zu übernehmen, was aberRoederer ablehnte. (Correspondenz darüber im Oktober 1812.)
**) Das hiesige historische Museum verwahrt noch eine bunteStatuette des Kaisers und verschiedene Embleme, welche damalszum Schmuck des Rathhauses gedient haben.
***) Es war damals Eigentum des Freiherrn Max Friedrich~v. Vittinghof, genannt Scheel.