V.
Inspectionen und Festlichkeiten.
„Wie ein Vater unter seinen Kindern, so wandeltder grosse Kaiser unter uns. Sein Aufenthalt in unsererMitte zeichnet sich nicht so sehr durch glänzenden Prunkals durch herablassende Güte aus. Jeder, welcher dasGlück hatte, sich S. M. zu nähern, kömmt entzückt zu-rück."*) Und begeisterter und überschwänglicher nochals in solchen Zeitungsergüssen wurde Napoleons Anwesen-heit in sogenannten Gedichten verherrlicht. Deutschund lateinisch versuchte man das grosse Ereigniss dich-terisch zu feiern; was von solchen Erzeugnissen über-liefert worden, weckt aber kaum den Appetit nach dem,was verloren gegangen. Oder sollte man bedauern,dass die Verse des Herrn Everhard Johann Wilhelm Bock-hacker in Hückeswagen „Ueber den Besuch des HohenKayser-Paar und geschenkten vielen Abgaben undFreyigkeiten" verloren gegangen sind, die wie es in demDankschreiben der Präfektur für diese kostbare Sendungheissen sollte, **) zwar nicht des Verfassers Beruf zumDichter, aber doch seine lobenswerthe Gesinnung bekun-deten ? Ich glaube, man kann sich auch darüber trösten,dass von einem lateinischen Gedicht nur „eine Passage"im Journal de l'Empire erhalten ist, die allerdings immer-hin characteristisch den Gedanken ausdrückt, der inPoesie und Prosa wiederholt wurde: nicht als Kriegsgottsei Napoleon an die Ufer der Dussel gekommen, sondernals mildherrschender Juppiter. ***)
*) Westphäl. Moniteur, Nr. 270, Beilage.
**) Nachher aus Mitleid wieder durchgestrichen.
***) „Heroem late regem belloque superbumCui similis fuerat nemo, nee ullus erit,Cujus, ubi Titan surgit, latet, oeeidit, urit,Fama volans nomen miraque facta canit,Europae populos qui lege reformat et ense,Hunc tu praesentem, Dussela laeta, vides,Vidit Berlinum, vidit generosa Vienna,Olim teutonici Regia magna Jovis;