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Die Anwesenheit Napoleons I. in Düsseldorf im Jahre 1811 : hierzu die Kunstbeilage: Einzug Napoleons in die Stadt Düsseldorf
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Inspectioneu und Festlichkeiten. 39

eine sonnig marmorne Hand, eine mächtige Hand, einevon den beiden Händen, die das vielköpfige Ungeheuerder Anarchie gebändigt und den Völkerzweikampf geordnethatten und sie klopfte gutmüthig den Hals des Pferdes.Auch das Gesicht hatte jene Farbe, die wir bei marmornenGriechen- und Römerköpfen finden, die Züge desselben warenebenfalls edelgemessen, wie die der Antiken, und aufdiesem Gesichte stand geschrieben: Du sollst keine Götterhaben ausser mir. Es war ein Auge, klar wie derHimmel, es konnte lesen im Herzen der Menschen, es sahrasch auf einmal alle Dinge dieser Welt, während wirAnderen sie nur nach einander und nur ihre gefärbtenSchatten sehen. Die Stirne war nicht so klar, es nistetendarauf die Geister zukünftiger Schlachten, und es zucktebisweilen über dieser Stirn, und das waren die schaffen-den Gedanken, die grossen Siebenmeilenstiefel-Gedanken,womit der Geist des Kaisers unsichtbar über die Welthinschritt. - Hinter ihm, stolz auf schnaubenden Rossenund belastet mit Gold und Geschmeide, ritt sein Gefolge,die Trommeln wirbelten, die Trompeten erklangen unddas Volk rief tausendstimmig:Es lebe der Kaiser!"

Napoleon soll die Absicht gehabt haben, das TerrainDüsseldorfs zu prüfen wegen Neuanlage von Befesti-gungen. Ich weiss nicht, worauf sich diese Sage stützt,kann aber versichern, dass weder in den hier vorhan-denen Akten noch in den Notizen Napoleons sich eineSpur davon findet. Düsseldorf konnte auch kaum in Fragekommen wegen seiner geringen Entfernung von Wesel.

Der Kaiser durchritt so ziemlich sämmtliche Strassender Stadt, was ja allerdings damals noch nicht so vielheissen wollte. Es war ein klarer warmer Novembertag,wie denn auch der Sommer ein selten heisser gewesen,der den berühmten Kometenwein gezeitigt hatte.

Wo der Kaiser etwas genau besichtigen wollte, scheuteer kein Hinderniss; so soll er, wie man sich erzählt*),allein beherzt genug gewesen sein, von der Gegend desalten Schlosses aus bis zum heutigen Sicherheitshafenüber den damals sehr schmalen Uferpfad zu reiten, wäh-rend sein Gefolge auf einem Umwege durch die Stadtritt." Erst an dem damals fast vollendeten Sicherheits-hafen hätte es sich ihm wieder angeschlossen.

Im Rathhaus wurde dem Kaiser der Ehrentrunk gereichtin einem einfach aber vornehm und geschmackvoll ge-schliffenen Glasbecher, der noch heute vorhanden ist.**)

*) Kausen, S. 13.

**) Im Besitz des Historienmalers Herrn Franz Cremer (ausdem Nachlass des Bürgermeisters Schnabel). Das Etui des Glases