20 Ankunft des Herrscherpaares im Grossherzogtlium.
benachbarten Municipalitäten in Empfang.*) Borcke wiesin seiner kurzen Anrede darauf hin, dass das Volk, welchesjetzt durch ihn, dem grossen Kaiser, seine Huldigungendarbringe, schon mehr als ein Mal die väterlichen Blickedes Herrschers auf sich gezogen habe, die immer durchWohlthaten bezeichnet seien. Wie die Einwohner desRheindepartements die ersten im Grossherzogtlium ge-wesen seien, die Sr. Majestät angehört hätten, so würdensie auch unter allen Umständen die ersten sein, einigesRecht auf sein Wohlwollen sich durch ihre Liebe, Ehr-furcht, Treue und Ergebenheit gegen die geheiligte Persondes Kaisers zu erwerben.
Der Kaiser setzte nun seinen Weg weiter nach Südenfort; überall begrüssten ihn Triumphbogen und einedurch Neugier und wohl auch durch Begeisterung fürden grossen Herrscher aufgeregte Volksmenge. Hofftendoch Viele und vor allem die Gewerbetreibenden darauf,dass dieser kaiserliche Besuch in mancherlei DingenWandel schaffen würde, dass namentlich die drückendenFesseln, durch die eine unerträgliche Zollgrenze jede freieBewegung von Handel und Gewerbe erstickte, in etwaserleichtert werden könnten. Da aber, wie wir vorhinsahen, noch keineswegs allgemein bekannt war, aufwelchem Wege der Kaiser reisen würde, konnten wohldie Vorbereitungen in den Dörfern und kleinen Städtennicht so sorgfältige sein.
Ueberall, wohin der kaiserliche Zug gelangte, läutetendie Glocken; vor den Kirchen, an denen er vorbeipassirte,musste sich der Pfarrer oder dessen Stellvertreter mitden übrigen Geistlichen in priesterlicher Kleidung an derThüre aufstellen. Wie bei Wesel über den Rhein, so waraus Anlass dieses kaiserlichen Besuches auch über dieRuhr bei Ruhrort (an der Acher Fähre) eine Schiffsbrückegebaut worden. Die Kaufmannschaft von Mülheim undRuhrort hatte dazu ihre Kohlennachen zur Verfügunggestellt. Ruhrort lieferte auch noch alle Gerätschaftendazu und die Pferde zum Heraufziehen der Nachen.**)
Zu Duisburg begrüsste der Maire den Kaiser vor demStapel-Thor in kurzer Anrede, welche mit der Bitte schloss,die Mairie zu beschützen, die Akademie und den Handelin der Stadt wieder aufblühen zu lassen. Als Antwortfragte der Kaiser nur, ob ein Frühstück hier bereitet sei..
*J Der Moniteur erwähnt die Maires allerdings nicht, abernach der Weisung Nesselrode's müssen sie dabei gewesen sein.
**) Am 5. November bereits wurde auf Antrag des Maire vonRuhrort die Auflösung- der Schiffbrücke verfügt.