Aufenthalt des -Kaisers in Wesel. 17
englischen Regierung. Ein genaues Protokoll sollte auf-genommen werden zur Feststellung der Namen undSchicksale der Unglücklichen — alles das mussten dieZeitungen ausführlich bringen. Und dabei durfte natür-lich nicht die Verherrlichung Frankreichs fehlen, dessenKaiser nun so wahrhaft christlich für Menschen sorgte,die gegen Frankreich die Waffen getragen hatten.
Ein anschauliches Pröbchen napoleonischer Politik!
Ausser diesen Gefangnen, welche dem Kaiser auf somerkwürdige Weise einen Dienst leisten konnten und da-durch wieder in den Besitz der Freiheit kamen, nimmtnoch einer unser Interesse in Anspruch, auf dessen Per-sönlichkeit der Kaiser durch Graf Hogendorp beson-ders hingewiesen wurde: Lieutenant Zaremba, eingeborner Preusse. Er hatte im SchiH'schen Corps ge-kämpft — angeblich allerdings gezwungen — und war beiDodendorf gefangen worden.
Weil er also mehr als halber Gefangner an der Affairebetheiligt war, entging er dem Schicksal seiner Kame-raden, die im Jahre 1809 in Wesel erschossen wurden.Doch war er in Gefangenschaft geblieben, ohne zu wissen,wie sein Geschick sich wenden würde. Einer Frau v. Gaudiverdankte er die Verwendung Hogendorps. Der Kaisertrug ihn hastig: „Vous etiez aussi de la bände de Schill ?"Zaremba erwiderte einige Worte und überreichte eine Bitt-schrift. Schliesslich Hess der Kaiser seinen Schimmel vor-führen, und indem er ihn bestieg und das rechte Bein überden Sattel hob, rief er Zaremba zu: „Vous etes libre!"und ritt von dannen. *)
Das Wichtigste war dem Kaiser die Inspection derFestungswerke; alles nahm er auf das genaueste in Augen-schein, so die Dämme und die Strasse von Venlo nachWesel. Im Schritt durch die Stadt reitend, nahm er danndie Huldigungen entgegen, die ihm von den biedern We-selern dargebracht wurden. Hatte ihm doch der Mairein seiner Ansprache versichert, dass die Bewohner vonWesel, die drei Jahrhunderte lang ihren Stolz darin ge-sehen hätten, von den Herzögen von Cleve „die Treuen"genannt zu werden, diesen ehrenvollen Namen auchfernerhin zu verdienen suchen würden.
Auf Schritt und Tritt begleitete ihn eine Abtheilungder Ehrengarde **) und stand auch in seiner Wohnung ihmzu Diensten.
*) F. Fiedler, die Verurtheilung und Hinrichtung der 11 preus-sischen Offiziere vom Schill'schen Corps (Wesel 1835), S. 86 ff.
**) Es waren im ganzen nur 25 Mann, die der Maire mit grosserMühe zusammengebracht hatte. Viele hatten sich durch die Kosten
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