12 Empfangsvorbereitungen in Stadt und Land.
zu befahren als auch um Postdienste zu thun, wurdenalle Pferde aufgeboten, die es nur gab in der ganzenGegend. Es half demMairevon Eckamp nichts, wenner dem Präfekten vorstellte, die Bauernpferde würdennur an zweirädrigen Karren gebraucht, hätten steifenund langsamen Schritt, die Geschirre seien nur auf solchesFuhrwerk berechnet und die Knechte könnten nichtfahren, da sie immer neben hergingen. Der Präfektwies auf die ministerielle Verfügung hin und belehrteden Maire, dass mit Eckamp keine Ausnahme gemachtwerden könne.
Es ist unzweifelhaft, dass diese Requisitionen sehrviel böses Blut unter der ländlichen Bevölkerung ge-macht haben müssen. Den Bauern wurde versichert,dass die Fuhren postmässig bezahlt würden ; schliesslichaber, als endlich im Juni 1812 die Anweisung aus Pariseintraf*) wurden für jedes Pferd nur 2 Fr. vergütet —und dabei hatten manche ihre Pferde fünf Tage unter-wegs haben müssen!
Das schlimmste war aber, dass durch den Mangelan Gemeinsinn viele Pflichteifrige zu leiden hatten. Esgab viele Bauern, die ihre Pferde nicht richtig dahinbrachten, wohin sie beordert waren, viele, die ohne wei-teres von den Relais mit ihren Pferden auf und davongingen. Der dadurch entstandene Mangel an Pferdenmachte es dann nothwendig, dass manche Pferde zweiund mehr Touren zurücklegen mussten, ohne sich aus-ruhen zu können**). Hierdurch und durch den Leicht-sinn der Couriere, die ohne Erbarmen drauf losschlugen,sind viele Pferde völlig ruiniert worden. Welche Opferdamit die Einspännigen zu ertragen hatten, kann mansich vorstellen, wenn man aus den Akten sieht, wie vielZeit verging, bis die Entschädigungsforderungen befrie-digt wurden.
Es waren zwischen Wesel und Düsseldorf auf Befehldes Staatsraths Du Preuil vier Relais errichtet worden.In Dinslaken und Duisburg wurden noch Depots aufge-stellt, für die je 200 Pferde erforderlich waren, 100 Pferdesollten in Düsseldorf am Posthaus immer bereit stehenzum täglichen Dienst des Kaisers. An jedem dieser De-pots wurden einige Gensdarmen aufgestellt', um dasDavonlaufen der Bauern zu verhindern.
*) 3310 Fr. wurden dem Präfekten Grafen Spee zur Veithei-lung' überwiesen.
**) Wir lassen die Anzeige der Walsumer Bauern unter denBeilagen folgen, weil sie für diese ganze Angelegenheit äusserstcharakteristisch ist.