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Die französische Litteratur im Urtheile Heinrich Heine's
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Hierauf betrachtet er auch die um ihn her sitzenden Kollegenund wenn ich boshaft wäre, würde ich seinen Blick ganz eigenkommentieren. Er kommt mir in solchen Momenten immer vor wieein Hirt, der seine Herde mustert. Sie gehören ihm ja alle, ihmdem Perpetuellen, der sie alle überleben und sie früh oder spät inseinen Precis historiques sezieren und einbalsamieren wird.

In der heurigen Sitzung (Juni 1843) war der verstorbeneDaunou der Gegenstand, den Miguet behandelte ....

Trotz dem scheinlosen Leben des Mannes wusste Mignet dochInteresse für diesen stillen Helden zu erregen und da dieser dashöchste Lob verdiente, konnte es ihm auch in reichem Masse gezolltwerden. Aber wäre auch Daunou keineswegs ein so rühmenswerterMensch gewesen, hätte er gar zu jenen charakterlosen Fröschengehört, deren so mancher im Sumpf (Marais) des Konventes sass undschweigsam fortlebte, während die Bessern sich um den Kopf sprachen,ja, er hätte sogar ein Lump sein können, so würde ihn dennochder Weihrauchkessel des offiziellen Lobes sattsam eingequalmt haben.Obgleich Mignet seine Reden Precis historiques nennt, so sind siedoch noch immer die alten Eloges und es sind noch dieselben Kom-plimente aus der Zeit Ludwig XIV., nur dass sie jetzt nicht mehrin gepuderten Allongeperücken stecken, sondern sehr modern frisiertsind. Und der jetzige Secretaire perpetuel der Akademie ist einerder grössten Friseure unserer Zeit und besitzt den rechten Schickfür dieses edle Gewerbe. Selbst wenn an einem Menschen keineinziges gutes Haar ist, weiss er ihm doch einige Löckcnen desLobes anzukräuseln und den Kahlkopf unter dem Toupet der Phrasezu verbergen. Wie glücklich sind doch diese französischen Akade-miker! Da sitzen sie im süssesten Seelenfrieden auf ihren sichernBänken und sie können ruhig sterben, denn sie wissen, wie bedenk-lich auch ihre Handlungen gewesen, so wird sie doch der gute Mignetnach ihrem Tode rühmen und preisen. Unter den Palmen seinesWortes, die ewig grün, wie die seiner Uniform, eingelullt von demGeplätscher der oratorischen Antithesen lagern sie hier in der Aka-demie wie in einer kühlen Oase. Die Karawane der Menschheitaber schreitet an ihnen zuweilen vorüber, ohne dass sie es merktenoder etwas anders vernahmen als das Geklingel der Kameele.

c. Guizot, Michelet, Quinet und das französische Ger-manophilentum.

In Guizot, den er einmal einenfast deutschen Pedanten"nannte, sieht Heine den einzigen französischen Kritiker, dem esgelungen den Geist der Shakespeareschen Komödien aufzufassen:Gutzkow sagt, der Elefant sei der Doktrinär unter den Tieren. Undein solcher verständiger und sehr schwerfälliger Elefant hat dasWesen der Shakespeareschen Komödie am scharfsinnigsten aufgefassL