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Die französische Litteratur im Urtheile Heinrich Heine's
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ihn befragen kann, lag der Zauber seiner Rede mehr in seiner per-sönlichen Erscheinung als in seinen Worten. Besonders wenn erleise sprach, ward man durchschauert von dem wunderbaren Lautseiner Stimme; man hörte die Schlangen zischen, die heimlich unterden oratorischen Blumen krochen. Kam er in Leidenschaft, war erunwiderstehlich. Von Frau von Stael erzählt man, dass sie auf derGalerie der Nationalversammlung sass, als Mirabeau die Tribüne-bestieg, um gegen Necker zu sprechen. Es versteht sich, dass eineTochter wie sie, die ihren Vater anbetete, mit Wut und Grimm gegenMirabeau erfüllt war; aber diese feindlichen Gefühle schwanden, jelänger sie ihu anhörte und endlich, als das Gewitter seiner Rede mitschrecklicher Herrlichkeit aufstieg, als die vergifteten Blitze ausseinen Augen schössen, als die weltzerschmetternden Donner aus-seiner Seele hervorgrollten, da lag Frau von Stael weit hinaus-gelehnt über der Bailustrade der Galerie und applaudierte wie toll.Aber bedeutsamer noch als das Rednertalent des Mannes, wardas, was er sagte. Dieses können wir jetzt am unparteiischten be-urteilen und da sehen wir, dass Mirabeau seine Zeit am tiefsten be-griffen hat, dass er nicht sowohl niederzureissen als auch aufzubauenwusste und dass er letzteres besser verstand als die grossen Meister,die sich bis auf den heutigen Tag an dem grossen Werke abmühen.In den Schriften Mirabeaus finden wir die Hauptideen einer konsti-tutionellen Monarchie, wie sie Frankreich bedurfte; wir entdeckenden Grundriss, obgleich nur flüchtig und mit blassen Linien ent-worfen; und wahrlich, allen weisen und bangen Regenten Europas,empfehle ich das Studium dieser Linien, dieser Staatshülfslinien, diedas grösste politische Genie unserer Zeit mit prophetischer Einsichtund mathematischer Sicherheit vorgezeichnet hat. Es wäre wichtiggenug, wenn man Mirabeans Schriften in dieser Hinsicht auch fürDeutschland ganz besonders zu exploitieren suchte. Seine revolutio-nären, negierenden Gedanken haben leichtes Verständnis und schnelleWirkung gefunden. Seine ebenso gewaltigen positiven, konstituieren-den Gedanken sind weniger verstanden und wirksam geworden.

III. Die französische Litteratur zur Zeit Napoleon I.

Napoleon Bonaparte; Madame de Stael;Vicomte de Chateaubriand; Beranger: Paul-Louis Courier.

Es sind schon viele grosse Männer über diese Erde geschritten,hier und da sehen wir die leuchtenden Spuren ihrer Fussstapfen, undin heiligen Stunden treten sie wie Nebelgebilde vor unsere Seele;aber ein ebenfalls grosser Mann sieht seine Vorgänger weit deutlicher,,aus einzelnen Funken ihrer irdischen Lichtspur erkennt er ihr ge-heimstes Thun, aus einem einzigen hinterlassenen Worte erkennt eralle Falten ihres Herzens; und solchermassen, in einer mystischenGemeinschaft leben die grossen Männer aller Zeiten: über Jahr-