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Die französische Litteratur im Urtheile Heinrich Heine's
Entstehung
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dass er ihre Systeme in einer klaren, allgemeinverständlichen Spracheformulieren könnte, wie es nötig wäre für Franzosen, die nicht wiewir die Geduld besitzen, ein abstraktes Idiom zu studieren."

„Einer der grössten Philosophen der Franzosen ist unstreitigPierre Leroux und dieser gestand mir vor sechs Jähen: erst ausder „Allemagne" von Henri Heine habe er die Einsicht gewonnen,dass die deutsche Philosophie nicht so mystisch und religiös sei,wie man das französische Publikum glauben machte ....

.... Victor Cousin ist ein Philosoph in der ganzen deutschenBedeutung des Wortes. Pierre Leroux ist es nur im Sinne derFranzosen, die unter Philosophie vielmehr allgemeine Untersuchungenüber gesellschaftliche Fragen verstehen. In der That, Victor Cousinist ein deutscher Philosoph, der sich mehr mit dem menschlichenGeiste als mit den Bedürfnissen der Menschheit beschäftigt, und durchdas Nachdenken über das grosse Ego in einen gewissen Egoismusgeraten. Die Liebhaberei für den Gedanken an und für sich absor-bierte bei ihm alle Seelenkräfte, aber der Gedanke selbst interessierteihn zunächst wegen der schönen Form und in der Metaphysik er-götzte ihn am Ende nur die Dialektik: von dem Übersetzer des Platokönnte man, das banale "Wort umkehrend, gewissermassen behaupten,er liebe den Plato mehr als die "Wahrheit. Hier unterscheidet sichCousin von den deutschen Philosophen: wie den letzteren, ist auchihm das Denken letzter Zweck des Denkens, aber zu solcher philo-sophischer Absichtslosigkeit gesellt sich bei ihm auch ein gewisserartistischer Indifferentismus. Wie sehr muss nun dieser Mann einemPierre Leroux verhasst sein, der weit mehr ein Freund der Menschenals der Gedanken ist, dessen Gedanken alle einen Hintergedankenhaben, nämlich das Interesse der Menschheit und der als geborenerIkonokiast keinen Sinn hat für künstlerische Freude an der Form.

.... Der leidenschaftliche Grimm, die Berserkerwut des Lerouxgegen Victor Cousin ist ein Ergebnis der Geistesdifferenz dieser beidenMänner. Es sind Naturen, die sich notwendigerweise abstossen. Nurin der Ohnmacht kommen sie einander wieder nahe und die gleicheSchwäche der Fundamente verleiht den entgegengesetzten Doktrineneine gewisse Ähnlichkeit. Der Eklektizismus von Cousin ist eine fein-drähtige Hängebrücke zwischen dem schottisch plumpen Empirismusund der deutsch abstrakten Idealität, eine Brücke, die höchstens demleichtfüssigen Bedürfnisse einiger Spaziergänger genügen mag, aberkläglich einbrechen würde, wollte die Menschheit mit ihrem schwerenHerzensgepäcke und ihren trampelnden Schlachtrossen darüber hin-marschieren.

Leroux ist ein Pontifex Maximus in einem höhern aber nochweit unpraktischem Stile, er will eine kolossale Brücke bauen, die,aus einem einzigen Bogen bestehend, auf zwei Pfeilern ruhen soll,