— 58 —
Deutsch gelernt zu haben. Vielleicht aber sind die Franzosen über-haupt glücklicher organisiert wie wir Deutschen und ich habe bemerkt,dass man ihnen von einer Doktrin, von einer gelehrten Untersuchung,von einer wissenschaftlichen Ansicht nur ein Weniges zu sagen brauchtund dieses Wenige wissen sie so vortrefflich in ihrem Geiste zu kom-binieren und zu verarbeiten, dass sie alsdann die Sache noch weitbesser verstehen wie wir selber und uns über unser eigenes Wissenbelehren können. Es will mich manchmal bedünken, als seien dieKöpfe der Franzosen, ebenso wie ihre Kaffeehäuser, inwendig mit lauterSpiegeln versehen, so dass jede Idee, die ihnen in den Kopf gelangt,sich dort unzähligemal reflektiert: eine optisehe Einrichtung, wodurchsogar die engsten und dürftigsten Köpfe sehr weit und strahlend er-scheinen. Diese brillanten Köpfe, ebenso wie die glänzenden Kaffee-häuser, pflegen einen armen Deutschen, wenn er zuerst nach Pariskommt, sehr zu blenden.....
...... Über eine Sitzung der „Academie des sciences
morales et politiques u (Mai 1841) berichtend, einer Sektion desInstitut, die, ivie' er sich ausdrückt „zum Unterschied von denübrigen Sektionen, die von geisterhafter Ohnmacht zeugen, den Cha-rakter der Frische und Kraft tragen, erwähnt Seine, rühmend despräsidierenden Cousin, der „mit jenem mutigen Feuer sprach, dasmanchmal nicht sehr wärmt, aber immer leuchtet." Von seinerHede heisst es weiter unten: „Sie atmet einen Freiheitssinn, denwir immer mit Freude bei ihm anerkennen werden." Der berühmtefranzösische Philosoph war lange die Zielscheibe von HeinesSpott. Im Grunde aber wusste er die Bedeutung dieses beredtenVermittlers des deutschen Gedankens sehr wohl anzuerkennen. Soschreibt er z. B. als Cousin von zwei entgegengesetzten Seitenangegriffen wurde (als Unterrichtsminister im Ministerium Thiersvon 1840), nämlich von der „römisch-katholisch-apostolischenKlerisei" und von den ..Sansculotten des Gedanken". brave Herzen,schwache Köpfe, mit Pierre Leroux an ihrer Spitze:
In diesem Kampfe sind alle unsere Siegeswünsche für Cousin;denn wenn auch die Bevorrechtung der Universität ihre Übelständehat, so verhindert sie doch, dass der ganze Unterricht in die Händejener Leute fällt, die immer mit unerbittlicher Grausamkeit dieMänner der Wissenschaft und des Fortschritts verfolgten und solangeCousin in der Sorbonne wohnt, wird wenigstens dort nicht wie ehe-mals der Scheiterhaufen als letzes Argument, als ultima ratio in derTagespolemik angewendet werden. Ja, er wohnt dort als Gonfalo-niere der Gedankenfreiheit und das Banner derselben weht über demsonst so verrufenen Obskurantenneste der Sorbonne.....
Aber: „Obgleich Cousin ein geborener Dialektiker ist, obgleicher zugleich für Form die grösste Begabnis besitzt, obgleich er beiseiner philosophischen Spezialität auch noch von grossem Kunstsinnunterstützt wird, so ist er doch noch sehr weit davon entfernt, diedeutsche Philosophie so gründlich tief in ihrem Wesen zu erfassen,