— 60 -
■wovon der eine aus dem materialistischen Granit des vorigen Jahr-hunderts, der; andere aus dem geträumten Mondschein der Zukunftverfertigt worden, und diesem zweiten Pfeiler giebt er zur Basis irgendeinen noch unentdeckten Stern in der Milchstrasse. Sobald diesesRiesenwerk fertig sein wird, wollen wir darüber referieren. Bis jetztlässt sich von dem eigentlichen System des Leroux nichts Bestimmtessagen, er giebt bis jetzt nur Materialien, zerstreute Bausteine. Auchfehlt es ihm durchaus an Methode, ein Mangel, der den Franzoseneigentümlich ist, mit wenigen Ausnahmen, worunter besonders Charles■de Remusat genannt werden rnuss, der in seinen „Essais de Philo-sophie" (ein kostbares Meisterbuch!) die Bedeutung der Methodebegriffen und für ihre Anwendung ein grosses Talent offenbart hat.Leroux ist gewiss ein grösserer Produzent im Denken, aber es fehltihm hier, wie gesagt, die Methode. Er hat bloss die Ideen und indieser Hinsicht ist ihm eine gewisse Ähnlichkeit mit Joseph Schellingnicht abzusprechen, nur dass alle seine Ideen das befreiende Heilder Menschheit betreffen und er, weit entfernt, die alte Religion mitder Philosophie zu flicken, vielmehr die Philosophie mit dem Gewändeeiner neuen Religion beschenkt. Unter den deutschen Philosophenist es Krause, mit dem Leroux die meiste Verwandschaft hat. SeinGott ist ebenfalls nicht ausserweltlich, sondern er ist ein Insassedieser Welt, behält aber dennoch eine gewisse Persönlichkeit, die ihnsehr gut kleidet. An der Immortalite de Täme kaut Leroux be-ständig, ohne davon satt zu werden; es ist dies nichts als ein per-fektioniertes Wiederkäuen der altern Perfektibilitätslehre. Weil ersich gut aufgeführt in diesem Leben, hofft Leroux, dass er in einerspätem Existenz zu noch grösserer Vollkommenheit gedeihen werde;Gott stehe alsdann dem Cousin bei, wenn derselbe nicht unterdessen
ebenfalls Fortschritte gemacht hat!.....
Leroux ist ein Kind des Volks, war in seiner Jugend Buch-drucker und er trägt noch heute in seiner äussern Erscheinung dieSpuren des Proletariats. Wahrscheinlich mit Absicht hat er dengewöhnlichen Firnis verschmäht und wenn er irgend einer Koketteriefähig ist, so besteht diese vielleicht in dem hartnäckigen Beharrenbei der rohen Ursprünglichkeit. Es giebt Menschen, welche nieHandschuhe tragen, weil sie kleine, weisse Hände haben, woran mandie höhere Rasse erkennt. Pierre Leroux trägt ebenfalls keine Hand-schuhe, aber sicherlich aus ganz andern Gründen. Er ist ein asce-tischer Entsagungsmensch, dem Luxus und jedem Sinnenreiz abholdund die Natur hat ihm die Tugend erleichtert. Wir wollen aberden Adel seiner Gesinnung, den Eifer, womit er dem Gedanken alleniederen Interessen opferte, überhaupt seine hohe Uneigennützigkeitals nicht minder verdienstlich anerkennen, und noch weniger wollenwir den rohen Diamanten deswegen herabsetzen, weil er keine glän-zende Geschliffenheit besitzt und sogar in trübes Blei gefasst ist. —Pierre Leroux ist ein Mann und mit der Männlichkeit des Charaktersverbindet er, was selten ist, einen Geist, der sich zu den höchsten