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Die französische Litteratur im Urtheile Heinrich Heine's
Entstehung
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Dieses Stück, welches sich gewiss auch die deutsche Bühne zu-geeignet hat, ist mit einer Lebendigkeit aufgefasst und ausgeführt, wieich noch nie gesehen; da ist ein Guss, eine Neuheit in den Mitteln, diesich wie von selbst darbieten, eine Fabel, deren Verwicklungen ganznatürlich auseinander entspringen, ein Gefühl, das aus dem Herzenkommt und zum Herzen spricht, kurz, eine Schöpfung. Mag Dumasauch in Äusserlichkeiten des Kostüms und des Lokales sich kleineFehler zu schulden kommen lassen; in dem ganzen Gemälde herrschtnichtsdestoweniger eine erschütternde Wahrheit; er versetzte michim Geiste wieder ganz zurück nach Altengland und den seligen Keanselber, den ich dort so oft sah, glaubte ich wieder leibhaftig vormir zu sehen. Zu solcher Täuschung hat freilich auch der Schau-spieler beigetragen, der die Eolle des Kean spielte, obgleich seinÄusseres, die imposante Gestalt von Frßderic Lemaitre, so sehr ver-schieden war von der kleinen, untersetzten Figur des seligen Kean.

Wie Victor Hugo so hat auch Alex. Dumas dem Verständnisdes Shakespeare in Frankreich mittelbar vorgearbeitet. Wenn jenerdurch Extravaganz im Hässlichen die Franzosen daran gewöhnte, imDrama nicht bloss die schöne Drapierung der Leidenschaft zu suchen,so bewirkte Dumas, dass seine Landsleute an dem natürlichen Aus-druck der Leidenschaft grosses Gefallen gewannen. Aber ihm galtdie Leidenschaft als das Höchste und in seinen Dichtungen usur-pierte sie den Platz der Poesie. Dadurch freilich wirkte- er destomehr auf der Bühne. Er gewöhnte das Publiknm in dieser Sphäre,in der Darstellung der Leidenschaften, an die grössten Kühnheitendes Shakespeare; und wer einmal an „Heinrich 'III. und RichardDarlington" Gefallen fand, klagte nicht mehr über Geschmacklosig-keit im „Othello" und „Richard EL" Der Vorwurf des Plagiats,den man ihm einst anheften wollte, war ebenso thöricht wie ungerecht.Dumas hat freilich in seinen leidenschaftlichen Scenen hie und daetwas dem Shakespeare entlehnt, aber unser Schiller that dieses mitnoch weit kühnerem Zugriff, ohne dadurch irgend einem Tadel zuverfallen.

5. Der Roman.

George Sand, Alex. Dumas (pere), Balzac.

Wie männiglich bekannt, ist George Sand ein Pseudonym,der nom de guerre einer schönen Amazone. Bei der Wahl diesesNamens leitete sie keineswegs die Erinnerung an den unglückseligen„Sand", den Meuchelmörder Kotzebues, des einzigen Lustspieldichtersder Deutschen. Unsere Heldin wählte jenen Namen, weil er die ersteSilbe von Sandau; so hiess nämlich ihr Liebhaber, der ein achtens-werter Schriftsteller, aber dennoch mit seinem ganzen Namen nichtso berühmt werden konnte, wie seine Geliebte mit der Hälfte des-