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mit allen Tugenden und Gebrechen, Tagesnöten und Unruhigkeitenseiner Landsleute, er ist enthusiastisch, aufbrausend, komödiantenhaft,edelmütig, leichtsinnig, grosssprecherisch, ein echter Sohn Frankreichs,.der Gascogne von Europa. Er redet zu dem Herzen mit demHerzen und wird verstanden und applaudiert. Sein Kopf ist einGasthof, wo manchmal gute Gedanken einkehren, die sich aber dortnicht länger als über Nacht aufhalten; sehr oft steht er leer. Keinerhat wie Dumas ein Talent für das Dramatische. Das Theater istsein wahrer Beruf. Er ist ein geborener Bühnendichter und vonRechts wegen gehören ihm alle dramatischen Stoffe, er finde sie inder Natur oder in Schiller, Shakespeare und Calderon. Er entlocktihnen neue Effekte, er schmelzt die alten Münzen um, damit siewieder eine freudige Tagesgeltung gewinnen und wir sollten ihm sogardanken für seine Diebstähle an der Vergangenheit, denn er bereichertdamit die Gegenwart. Eine ungerechte Kritik, ein unter betrübsamenUmständen ans Licht getretener Aufsatz im „Journal des Debats" rhat unserem armen Dichter bei der grossen unwissenden Menge sehrstark geschadet, indem vielen Sceneu seiner Stücke die frappantestenParallelstellen in ausländischen Tragödien nachgewiesen wurden.Aber nichts ist thörichter als dieser Vorwurf des Plagiats, es giebtin der Kunst kein sechstes Gebot, der Dichter darf überall zu-greifen, wo er Material zu seinen Werken findet und selbst ganzeSäulen mit ausgemeisselten Kapitalem darf er sich zueignen, wennnur der Tempel herrlich ist, den er damit stützt. Dieses hat Goethesehr gut verstanden, und vor ihm sogar Shakespeare. Nichts istthörichter als das Begehrnis, ein Dichter solle alle seine Stoffe aussich selber herausschaffen; das sei Originalität. Ich erinnere micheiner Fabel, wo die Spinne mit der Biene spricht und ihr vorwirft,dass sie aus tausend Blumen das Material sammle, wovon sie ihrenWachsbau und den Honig dazu bereite: „ich aber", setzte sietriumphierend hinzu, „ich ziehe mein ganzes Kunstgewebe in Original-fäden aus mir selber hervor."
Wie ich eben erwähnte, der Aufsatz gegen Dumas im „Journaldes Debats" trat unter betrübsamen Umständen ans Licht; er warnämlich abgefasst von einem jener jungen Seiden, die blindlings denBefehlen Victor Hugos gehorchen und er ward gedruckt in einemBlatte, dessen Direktoren mit demselben aufs innigste befreundet sind.Hugo war grossartig genug, die Mitwissenschaft an dem Erscheinendieses Artikels nicht abzuleugnen und er glaubte seinem alten FreundeDumas, wie es in litterarischen Freundschaften üblich ist, zu rechterZeit den zweckmässigen Todesstcss versetzt zu haben. In der That,über Dumas Renommee hing seitdem ein schwarzer Trauerflor undviele behaupteten, wenn man diesen Flor wegzöge, werde man garnichts mehr dahinter erblicken. Aber seit der Aufführung einesDramas wie „Edmund Kean" ist Dumas Renommee aus ihrer dunklenVerhüllung wieder leuchtend hervorgetreten und er beurkundete damitaufs neue sein grosses dramatisches Talent.