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Die französische Litteratur im Urtheile Heinrich Heine's
Entstehung
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Champagners, den wir vergnüglich schlürfen in Gesellschaft des Chefsder Claqueure und der anständigsten Damen. Wir essen, trinken,•werden applaudiert, ausgepfiffen und vergessen, während ihr in denRevuen beider Welten gefeiert werdet und der erhabensten Un-sterblichkeit entgegen hungert!

In der That, das Theater gewährt jenen Bühnendichtern denglänzendsten Wohlstand; die meisten von ihnen werden reich, lebenin Hülle und Fülle, statt dass die grössten Schriftsteller Frankreichs,ruiniert durch den belgischen Nachdruck und den bankerotten Zustanddes Buchhandels, in trostloser Armut dahindarben. Was ist natür-licher, als dass sie manchmal nach den goldenen Früchten schmachten,die hinter den Lampen der Bretterwelt reifen und die Hand danachausstrecken, wie jüngst Balzac that, dem solches Gelüst so schlechtbekam! Herrscht schon in Deutschland ein geheimes Schutz- undTrutzbündnis zwischen den Mittelmässigkeiten, die das Theater aus-beuten, so ist das in weit schnöderer Weise der Fall zu Paris, woall' diese Misere zentralisiert ist. Und dabei sind hier die kleinenLeute so aktiv, so geschickt, so unermüdlich in ihren Kampf gegendie Grossen und ganz besonders gegen das Genie, das immer isoliertsteht, auch etwas ungeschickt ist und, im Vertrauen gesagt, auch garzu träumerisch träge ist.

Welche Aufnahme fand nun das Drama von George Sand, desgrössten Schriftstellers, den das neue Frankreich hervorgebracht, desunheimlich einsamen Genius, der auch bei uns in Deutschland ge-würdigt worden? War die Aufnahme eine entschieden schlechte odereine zweifelhaft gute? Ehrlich gestanden, ich kann diese Frage nichtbeantworten. Die Achtung vor dem grossen Namen lähmte vielleichtmanches böse Vorhaben. Ich erwartete das Schlimmste. Alle Anta-gonisten des Autors hatten sich ein Rendezvous gegeben in demungeheuren Saale des Theätre Francais, der über zweitausend Personenfasst. Etwa einhundertundvierzig Billete hatte die Administration zurVerfügung des Autors gestellt, um sie au die Freunde zu verteilen;ich glaube aber, verzettelt durch weibliche Laune, sind davon nurwenige in die rechten, applaudierenden Hände geraten. Von einerorganisierten Olaque war gar nicht die Rede; der gewöhnliche Chefderselben hatte seine Dienste angeboten, fand aber kein Gehör beidem stolzen Verfasser der „Lena". Die sogenannten Römer, die inder Mitte des Parterres unter dem grossen Leuchter so tapfer zuapplaudieren pflegen, wenn ein Stück von Scribe oder Ancelot auf-geführt wird, waren gestern im Theätre Francais nicht sichtbar.

Alexander Dumas ist kein so grosser Dichter wie VictorHugo, aber er besitzt Eigenschaften, womit er auf dem Theater weitmehr als dieser ausrichten kann. Ihm steht zu Gebote jener un-mittelbare Ausdruck der Leidenschaft, welchen die Franzosen Vervenennen und dann ist er mehr Franzose als Hugo: er sympathisiert

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