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Die französische Litteratur im Urtheile Heinrich Heine's
Entstehung
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können. Der Kuhm des Autors ist so gross, dass die Schaulust aufshöchste gespannt war; aber nicht bloss die Schaulust, sondern nochganz andere Interessen und Leidenschaften kamen ins Spiel. Mankannte im Voraus die Kabalen, die Intriguen, die Böswilligkeiten, diesich gegen das Stück verschworen und mit dem niedrigsten Metier-neid gemeinschaftliche Sache machten. Der kühne Autor, der durchseine Romane bei der Aristokratie und bei dem Bürgerstand gleichgrosses Missfallen erregte, sollte für seine „irreligiösen und immo-ralischen Grundsätze" bei Gelegenheit eines dramatischen Debütsöffentlich büssen; denn wie ich Ihnen dieser Tage schrieb, die fran-zösische Noblesse betrachtet die Religion als eine Abwehr gegen dieherandrohenden Schrecknisse des Republikanismus und protegiert sie,um ihr Ansehen zu befördern und ihre Köpfe zu schützen, währenddie Bourgeoisie durch die antimatrimonialen Doktrinen eines GeorgeSand ebenfalls ihre Köpfe bedroht sieht, nämlich bedroht durch einengewissen Hornschmuck, den ein verheirateter Bürgergardist ebensogern entbehrt, wie er gern mit dem Kreuze der Ehrenlegion geziertzu werden wünscht.

Der Autor hatte sehr gut seine missliche Stellung begriffen undin seinem Stück alles vermieden, was die adeligen Ritter der Religionund die bürgerlichen Schildknappen der Moral, die Legitimisten derPolitik und der Ehe, in Harnisch bringen konnte; und der Vor-fechter der sozialen Revolution, der in seinen Schriften das Wildestewagte, hatte sich auf der Bühne die zahmsten Schranken gesetzt undsein nächster Zweck war, nicht auf dem Theater seine Prinzipien zuproklamieren, sondern vom Theater Besitz zu nehmen. Dass ihmdies gelingen könne, erregte aber eine grosse Furcht unter gewissenkleinen Leuten, denen die angedeuteten religiösen, politischen undmoralischen Differenzen ganz fremd sind und die nur den gemeinstenHandwerksinteressen huldigen. Das sind die sogenannten Bühnen-dichter, die in Frankreich ebenso wie bei uns in Deutschland eineganz abgesonderte Klasse bilden und wie mit der eigentlichen Litteraturselbst, so auch mit den ausgezeichneten Schriftstellern, deren dieNation sich rühmt, nichts gemein haben. Letztere, mit wenigen Aus-nahmen, stehen dem Theater ganz fern, nur dass bei uns die grossenSchriftsteller mit vornehmer Geringschätzung sich eigenwillig von derBretterwelt abwenden, während sie in Frankreich sich herzlich gerndarauf produzieren möchten, aber durch die Machinationen der er-wähnten Bühnendichter von diesem Terrain zurückgetrieben werden.Und im Grunde kann man es den kleinen Leuten nicht verdenken,dass sie sich gegen die Invasion der Grossen soviel als möglichwehren. Was wollt ihr bei uns, rufen sie, bleibt in eurer Litteraturund drängt euch nicht zu unseren Suppentöpfen! Für euch derRuhm, für uns das Geld! Für euch die langen Artikel der Be-wunderung, die Anerkenntnis der Geister, die höhere Kritik, die unsarme Schelme ganz ignoriert! Für euch der Lorbeer, für uns derBraten! Für euch der Rausch der Poesie, für uns der Schaum des