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Die französische Litteratur im Urtheile Heinrich Heine's
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Sehen Sie, das ist schrecklich, gewissermassen sogar entsetzlich,aher für das Lustspiel ist das ganz vortrefflich!.....

Ich hahe schon erwähnt, dass die Hauptmotive des französischenLustspiels nicht dem öffentlichen, sondern dem häuslichen Zustandedes Volkes entlehnt sind; und hier ist das Verhältnis zwischenMann und Frau das ergiebigste Thema. Wie in allen Lebensbezügen,so sind auch in der Familie der Franzosen alle Bande gelockert undalle Autoritäten nhdergebrochen. Dass das väterliche Anseheii beiSohn und Tochter vernichtet ist, ist leicht begreiflich, bedenkt mandie korrosive Macht jenes Kritizismus, der aus der materialistischenPhilosophie hervorging. Dieser Mangel an Pietät gebärdet sich nochweit greller in dem Verhältnis zwischen Mann und Weib, sowohl inden ehelichen als ausserehelichen Bündnissen, die hier einen Charaktergewinnen, der sie ganz besonders zum Lustspiele eignet. Hier istder Originalschauplatz aller jener Geschlechtskriege, die uns inDeutschland nur aus schlechten Übersetzungen oder Bearbeitungenbekannt sind, und die ein Deutscher kaum als ein Polybius, abernimmermehr als ein Cäsar beschreiben kann. Krieg, freilich, führendie beiden Gatten, wie überhaupt Mann und Weib, in allen Landen,aber dem schönen Geschlecht fehlt anderswo als in Frankreich dieFreiheit der Bewegung, der Krieg muss versteckter geführt werden;er kann nicht äusserlich, dramatisch, zur Erscheinung kommen.Anderswo bringt es die Frau kaum zu einer kleinen Erneute, höchstenszu einer Insurrektion. Hier aber stehen sich beide Ehemächte mitgleichen Streitkräften gegenüber und liefern ihre entsetzlichsten Haus-schlachten. Bei der Einförmigkeit des deutschen Lebens amüsiertihr euch sehr im deutschen Schauspielhaus beim Anblick jener Feld-züge der beiden Geschlechter, wo eins das andere durch strategischeKünste, geheimen Hinterhalt, nächtlichen Überfall, zweideutigenWaffenstillstand oder gar durch ewige Friedensschlüsse zu überlistensucht. Ist man aber hier in Frankreich auf den Wahlplätzen selbst,wo dergleichen nicht blos zum Scheine, sondern auch in der Wirk-lichkeit aufgeführt wird, und trägt man ein deutsches Gemüt in derBrust, so schmilzt einem das Vergnügen bei dem besten französischenLustspiel ....

b) George Sand und Alexandre Dumas (pere).

Gestern Abend, nach langem Erwarten von Tag zu Tag, nacheinem fast zweimonatlichen Hinzögern, wodurch die Neugier, aberauch die Geduld des Publikums überreizt wurde — endlich gesternAbend ward „Cosima", das Drama von George Sand, im TheätreFrancais aufgeführt. Man hat keinen Begriff davon, wie seit einigenWochen alle Notabilitäten der Hauptstadt, alles, was hier hervorragtdurch Kang, Geburt, Talent, Laster, Reichtum, kurz durch Auszeich-nung jeder Art, sich Mühe gab, dieser Vorstellung beiwohnen zu

Betz, Französische Litteratur. 4