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Die französische Litteratur im Urtheile Heinrich Heine's
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man besonders auf den kleinen Theatern spielen sieht, erhaltengewöhnlich gar keine Gage, im Gegenteil, sie bezahlen noch monat-lich den Direktoren eine bestimmte Summe für die Vergünstigung,dass sie auf ihrer Bühne sich produzieren können. Man weiss daherselten hier, wo die Actrice und die Kurtisane ihre Rolle wechseln,wo die Komödie aufhört und die liebe Natur wieder anfängt, wo derfünffüssige Jambus in die vierfüssige Unzucht übergeht.

Was das eigentliche Spiel der französischen Schauspieler be-trifft, so überragen sie ihre Kollegen in allen Landen und zwar ausdem natürlichen Grunde, weil alle Franzosen geborene Komödiantensind. Das weiss sich in alle Lebensrollen so leicht hineinzustudierenund immer so vorteilhaft zu drapieren, dass es eine Freude ist an-zusehen. Die Franzosen sind die Hofschauspieler des lieben Gottes,les comediens ordinaires du bon Dieu, eine auserlesene Truppe, unddie ganze französische Geschichte kommt mir manchmal vor wie einegrosse Komödie, die aber zum Besten der Menschheit aufgeführtwird. Im Leben wie in der Litteratur und den bildenden Künstender Franzosen herrscht der Charakter des Theatralischen.

Das Theätre Frangais besuchte ich sehr wenig; dieses Haushat für mich etwas Ödes, Unerfreuliches. Hier spuken noch dieGespenster der alten Tragödie, mit Dolch und Giftbecher in denbleichen Händen; hier stäubt noch der Puder der klassischen Perücken.Dass man auf diesem klassischen Boden manchmal der modernenRomantik ihre tollen Spiele erlaubt, oder dass man den Anforderungendes älteren und des jüngeren Publikums durch eine Mischung desKlassischen und Romantischen entgegenkommt, dass man gleichsamein tragisches Juste-milieu gebildet hat, das ist am unerträglichsten.Diese französischen Tragödiendichter sind emanzipierte Sklaven, dieimmer noch ein Stück der alten klassischen Kette mit sich herum-schleppen; ein feines Ohr hört bei jedem ihrer Tritte noch immerein Geklirre wie zur Zeit der Herrschaft Agamemnons und Talmas

Ein Zwitterstil und eine Geschmacksanarchie, wie sie jetzt imTheätre Francais vorwalten, ist greulich. Die meisten Novatorenneigen sich gar zu einem Naturalismus, der für die höhere Tragödieebenso verwerflich ist, wie die hohle Nachahmung des klassischenPathos. Sie kennen zur Genüge, lieber Lewald, das Natürlichkeits-system, den Ifflandianismus, der einst in Deutschland grassierte undvon Weimar aus, besonders durch den Einfluss von Schiller undGoethe, besiegt wurde. Ein solches Natürlichkeitssystem will sichauch hier ausbreiteil und seine Anhänger eifern gegen metrische Formund gemessenen Vortrag. Wenn erstere nur in den Alexandrinernund letztere nur in dem Zittergegröhle der älteren Periode bestehen