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3. Das Theater.
a) Das Schauspielertum; Das Theätre-Frangais und dieKomantik; die Tragödie; das Lustspiel.
Ich habe selbst früher bemerkt, dass das öffentliche Leben inFrankreich, das Repräsentativsystem und das politische Treiben, diebesten schauspielerischen Talente der Franzosen absorbiert und des-halb auf dem eigentlichen Theater nur die Mediokritäten zu findensind. Dieses gilt aber nur von den Männern, nicht von den Weibern;die französische Bühne ist reich an Schauspielerinnen vom höchstenWert und die jetzige Generation überflügelt vielleicht die frühere.Grosse, ausserordentliche Talente bewundern wir, die sich hier umso zahlreicher entfalten konnten, da die Frauen durch eine ungerechteGesetzgebung, durch die Usurpation der Männer, von allen politischenÄmtern und Würden ausgeschlossen sind und ihre Fähigkeiten nichtauf den Brettern des Palais Bourbon und des Luxembourg geltendmachen können. Ihrem Drang nach Öffentlichkeit stehen nur dieöffentlichen Häuser der Kunst und der Galanterie offen und siewerden entweder Aktricen oder Loretten, oder auch beides zugleich,denn hier in Frankreich sind diese zwei Gewerbe nicht so strenggeschieden wie bei uns in Deutschland, wo die Komödianten oft zuden reputierlichsten Personen gehören und nicht selten sich durchbürgerlich gute Aufführung auszeichnen: sie sind bei uns nichtdurch die öffentliche Meinung wie Parias ausgestossen aus der Ge-sellschaft und sie finden vielmehr in den Häusern des Adels, in denSoireen toleranter jüdischer Bankiers und sogar in einigen honettenbürgerlichen Familien eine zuvorkommende Aufnahme. Hier inFrankreich im Gegenteil, wo so viele Vorurteile ausgerottet sind, istdas Anathema der Kirche noch immer wirksam in bezug auf dieSchauspieler; sie werden noch immer als Verworfene betrachtet undda die Menschen immer schlecht werden, wenn man sie schlecht be-handelt, so bleiben mit wenigen Ausnahmen die Schauspieler hier imverjährten Zustande des glänzend schmutzigen Zigeunertums. Thaliaund die Tugend schlafen hier selten in demselben Bette und sogarunsere berühmteste Melpomene steigt manchmal von -ihrem Kothurnherunter, um ihn mit den liederlichen Pantöffelchen einer Philüiezu vertauschen.
Alle schönen Schauspielerinnen haben hier ihren bestimmtenPreis und die, welche um keinen bestimmten Preis zu haben, sindgewiss die teuersten. Die meisten jungen Schauspielerinnen werdenvon Verschwendern oder reichen Parvenüs unterhalten. Die eigent-lichen unterhaltenen Frauen, die sogenannten femmes entretenues,empfinden dagegen die gewaltigste Sucht, sich auf dem Theater zuzeigen, eine Sucht, worin Eitelkeit und Kalkül sich vereinigen, dasie dort am besten ihre Körperlichkeit zur Schau stellen, sich denvornehmen Lüstlingen bemerkbar machen und zugleich auch vomgrössern Publikum bewundern lassen können. Diese Personen, die