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Die französische Litteratur im Urtheile Heinrich Heine's
Entstehung
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Ernst weht in seinen Worten, die Wunden der Gegenwart kühlendund das Grauen vor der Zukunft fortbannend! Dieser Mann ist einwahrhafter Prophet, er hat die Sprache und den Blick. Mit Er-staunen, mit Schwindeln sehen wir hinauf an die hohe Gestalt, dieseit einem Jahr vor unseren Augen zu einer solchen Grösse empor-wuchs. Das war anfangs nur ein Dichter, zwar ersten Hanges, dochuns andere nicht sonderlich überragend. Ich wusste ihn wohl zuschätzen wegen seiner Vollendung in der Form und wegen der har-monischen Einheit seiner Gefühle und Gedanken (zwei Eigenschaften,die seinem Nebenbuhler Victor Hugo gänzlich fehlen und doch not-wendig sind, um unsterblich zu werden) aber fatal war mir inden Dichtungen Lamartiues jener Spiritualismus, jene sogenannteplatonische Liebe, die schon in den Kanzonen und Sonetten seinesAhnherrn Petrarca mich unleidlich anwiderte, und die ich all meinLebtag in Reim und Prosa befehdete. Erst als ich die politischenEeden vernahm, jauchzte ihm meine wahlverwandte Gesinnung entgegen;hier gefiehl mir seine bessere Ähnlichkeit mit Messer Francesco, dernicht blos der Anbeter Lauras, sondern auch der Freund Rienziswar und für die ewige Sonne der Freiheit ebenso schwärmerischglühte wie für die Augen, die sterblichen Sterne, der schönen Pro-vencalin. Aber wie soll ich die Begeisterung schildern, die sichmeiner bemächtigte, alsDie Girondisten" von de Lamartine er-schienen, dieses Werk, dessen Popularität ans Fabelhafte streift; seitThiers' Geschichte der Revolution und Eugen Sues Pariser Mysterienhat kein Buch hierzulande so grosses Aufsehen erregt. Dieses Buch,das die edlen Märtyrer der Gironde feiert, ist gleichsam ihr pracht-voller Sarkophag und derselbe ist in antiker Weise mit Basreliefsverziert, welche Bachanalien vorstellen; wir sehen hier nämlich dieabenteuerlichen Bachantenzüge der französischen Revolution, thyrsus-schwingende Korybanten der Freiheit und Gleichheit, terroristischeZimbalschläger und moderantistische Doppeltflötenspieler, bockfüssige.Satyrgestalten bougrement patriotiques, Mänadeii der Guillotine mitflatterndem Haar, von dem göttlichen Wahnsinn berauschte Scharen,in den unerhörtesten und unglaublichsten Posituren dahintaumelnd,und hei deren Anblick uns ebenfalls eine grauenhafte, zerstörungs-süchtige Trunkenheit ergreift Evoe Danton! Evoe Robespierre!

Heine war es gewesen, der das lyrische Genie Mussetsund den eigenartigen Zauber seiner dramatischen Schöpfungenerkannte und- verkündete, als jener ungezogene Liebling der Musenerst von einem kleinen Kreise litterarischer Feinschmecker als Dichterverehrt ivurde. Madame Jaubert, beider treuergebene Freundin,erzählt, es habe sich Heine oft darüber geärgert, dass die Be-ivunderung der Franzosen stets nur Byron und Victor Hugo gelteund ihr einmal gesagt, als er Musset in einer Tanzgruppe er-blickte:Je ne comprends rien aux Parisiens; ä vous entendre

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