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überheben, die wir gewöhnlich den Damen angedeihen lassen unddie im Grunde doch nur ein mitleidiges Certifikat ihrer Schwäche ist.
Als sie einst in Erwartung eines Kompliments an den Kaiserdie Frage richtete: welche Frau er für die grösste seiner Zeit halte?antwortete jener: „die Frau, welche die meisten Kinder zur Weltgebracht." Das war nicht galant, wie denn nicht zu leugnen ist,dass der Kaiser den Frauen gegenüber nicht jene zarte Zuvorkommen-heiten und Aufmerksamkeiten ausübte, welche die Französinnen sosehr lieben. Aber diese letztern werden nie durch taktloses Be-nehmen, irgend eine Unartigkeit selbst hervorgerufen, wie es die be-rühmte Genferin gethan, die bei dieser Gelegenheit bewies, dass sietrotz ihrer physischen Beweglichkeit von einer gewissen heimatlichenUnbeholfenheit nicht frei geblieben.
Als die gute Frau merkte, dass sie mit all ihrer Andringlich-keit nichts ausrichtete, that sie, was die Frauen in solchen Fällenzu thun pflegen, sie erklärte sich gegen den Kaiser, räsonnierte gegenseine brutale und ungalante Herrschaft und räsonnierte so lange, bisihr die Polizei den Laufpass gab. Sie flüchtete zu uns nach Deutsch-land, wo sie Materialien sammelte zu dem berühmten Buche, dasden deutschen Spiritualismus als das Ideal aller Herrlichkeit feiernsollte, im Gegensatze zu dem Materialismus des imperialen Frank-reichs. Hier bei uns machte sie gleich einen grossen Fund. Siebegegnete nämlich einem Gelehrten, Namens August Wilhelm Schlegel.Das war ein Genie ohne Geschlecht. Er wurde ihr getreuer Ciceroneund begleitete sie auf ihrer Reise durch alle Dachstuben der deutschenLitteratur. Sie hatte einen unbändig grossen Turban aufgestülpt undwar jetzt die Sultanin des Gedankens. Sie Hess unsere Litterateiigleichsam geistig die Revue passieren und parodierte dabei dengrossen Sultan der Materie. Wie dieser die Leute mit einem: „Wiealt sind Sie? Wieviel Kinder haben Sie? Wieviel Dienstjahre?"u. s. w. anging, so frag jene unsere Gelehrten: „Wie alt sind Sie?Was haben Sie geschrieben? Sind Sie Kantianer oder Fichteaner?"und dergleichen Dinge, worauf die Dame kaum die Antwort ab-wartete, die der getreue Mamluck August Wilhelm Schlegel, ihrRustan, hastig in sein Notizenbuch einzeichnete. Wie Napoleon die-jenige Frau für die grösste erklärte, welche die meisten Kinder zurWelt gebracht, so erklärte die Stael denjenigen Mann für den grössten,der die meisten Bücher geschrieben. Man hat keinen Begriff davon,welchen Spektakel sie bei uns machte und Schriften, die erst unlängsterschienen, z. B. die „Memoiren" der Karoline Pichler, die „Briefe"der Varnhagen und der Bettina Arnim, auch die „Zeugnisse" vonEckermann schildern ergötzlich die Not, welche uns die Sultanin desGedankens bereitete, zu einer Zeit, wo der Sultan der Materie unsschon genug Tribulationen verursachte. Es war geistige Einquartierung,die zunächst auf die Gelehrten fiel. Diejenigen Litteratoren, womitdie vortreffliche Frau ganz besonders zufrieden war und die ihr per-sönlich durch den Schnitt ihres Gesichtes oder die Farbe ihrer