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Die französische Litteratur im Urtheile Heinrich Heine's
Entstehung
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junge Frankreich dem alten Europa gegenüber repräsentierte, dessenVerherrlichung in Frage steht: in seiner Person siegte das fran-zösische Volk, in seiner Person ward es gedemütigt, in seiner Personehrt und feiert es sich selber und das fühlt jeder Franzose unddeshalb vergisst man alle Schattenseiten des Verstorbenen und huldigtihm quand meme ....

Frau von Stael, glorreichen Andenkens, hat in der Form einesBuches (De l'AUemagne") gleichsam einen Salon eröffnet, worin siedeutsche Schriftsteller empfing und ihnen Gelegenheit gab, sich derfranzösischen zivilisierten Welt bekannt zu machen; aber in demGetöse der verschiedensten Stimmen, die aus diesem Buche hervor-schreien, hört man doch immer am vernehmlichsten den feinen Diskantdes Herrn A. W. Schlegel. Wo sie ganz selbst ist, wo die gross-fühlende Frau sich unmittelbar ausspricht mit ihrem ganzen strahlen-den Herzen, mit dem ganzen Feuerwerk ihrer Geistesraketen undbrillanten Tollheiten: da ist das Buch gut und vortrefflich. Sobaldsie aber fremden Einflüssen gehorcht, sobald sie einer Schule huldigt,deren Wesen ihr ganz fremd und unbegreifbar ist, sobald sie durchdie Anpreisung dieser Schule gewisse ultramontane Tendenzen be-fördert, die mit ihrer protestantischen Klarheit in direktem Wider-spruche sind: da ist ihr Buch kläglich und ungeniessbar. Dazukommt noch, dass sie ausser den unbewussten auch noch bewussteParteilichkeiten 14 ) ausübt, dass sie durch die Lobpreisung des geistigenLebens, des Idealismus in Deutschland, eigentlich den damaligenKealismus der Franzosen, die materielle Herrlichkeit der Kaiser-periode, frondieren will. Ihr BuchDe TAllemagne" gleicht in dieserHinsicht derGermania" des Tacitus, der vielleicht ebenfalls durchseine Apologie der Deutschen eine indirekte Satire gegen seine Lands-leute schreiben wollte.

Ich erteile meinem Buche denselben Titel, 15 ) unter welchemFrau von Stael ihr berühmtes Werk, das denselben Gegenstand be-handelt, herausgegeben hat, und zwar that ich es aus polemischerAbsicht.

Da Frau von Stael ein Autor von Genie ist und einst dieMeinung aussprach, dass das Genie kein Geschlecht habe, so kannich mich bei dieser Schriftstellerin auch jener galanten Schonung

u ) Auch Heines Darstellung der philosophischen Entwicklung in Deutsch-land ist eine ArtKoteriebuch" und voller parteilicher Einseitigkeit. Vergl.Strodtmann, H. Heines Lehen und Werke, III. Aufl., Hamburg 1884 p. 124 ff.

I5 ) Heine veröffentlichte 1835 bei Eugene ßenduel in Paris die beidenBändeDe l'AUemagne", die Aufsätze über deutsche Litteratur, Politik,Keligion und Geschichte enthielten, welche in den Jahren 1833/34 bereitsin den Zeitschriften:Europe litteraire" undRev. des Deux Mondes" er-schienen waren.