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Die französische Litteratur im Urtheile Heinrich Heine's
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Revolution, die einzige grosse Herrschergestalt, der einzige könig-liche Held ist, woran das neue Frankreich sein volles Herz weiden kann.

Es ist ein merkwürdiger Umstand, dass Napoleon gegen diephilosophische Koterie, wozu Tracy, Cabanis 13 ) und Konsortengehören, eine so besorgliche Abneigung hegte und sie mitunter sehrstreng behandelte. Er nannte sie Ideologen, und er empfand einevage, schier abergläubische Furcht vor jener Ideologie, die doch nichtsanderes war als der schäumende Aufguss der materialistischenPhilosophie; diese hatte freilich die grösste Umwälzung gefördert unddie schauerlichsten Zerstörungskräfte offenbart, aber ihre Mission warvollbracht und also auch ihr Einfluss beendigt. Bedrohlicher undgefährlicher war jene entgegengesetzte Doktrin, die unbeachtet inDeutschland emportauchte und späterhin soviel beitrug zum Sturzder französischen Gewaltherrschaft. Es ist merkwürdig, dass Napoleonauch in diesem Fall nur die Vergangenheit begriff und für die Zu-kunft weder Ohr noch Auge hatte. Er ahnte einen verderblichenFeind im Reich des Gedankens, aber er suchte diesen Feind unteralten Perücken, die noch vom Puder des achtzehnten Jahrhundertsstäubten; er suchte sie unter französischen Greisen, statt unter derblonden Jugend der deutschen Hochschulen. Da war unser VierfürstHerodes viel gescheidter, als er die gefährliche Brut in der "Wiegeverfolgte und den Kindesmord befahl. Doch auch ihm fruchtetenicht viel die grössere Pfiffigkeit, die an dem Willen der Vorsehungzu schänden wurde seine Schergen kamen zu spät, das furchtbareKind war nicht mehr in Bethlehem, ein treues Eselein trug esrettend nach Ägypten. Ja, Napoleon besass Scharfblick nur für Auf-fassung der Gegenwart oder Würdigung der Vergangenheit und erwar stockblind für jede Erscheinung, worin sich die Zukunft an-kündigte. Er stand auf dem Balkon seines Schlosses zu St. Cloud,als das erste Dampfschiff dort auf der Seine vorüberfuhr, und ermerkte nicht im mindesten die weltumgestaltende Bedeutung diesesPhänomens!

Es ist wahr, es ist tausendmal wahr, dass Napoleon ein Feindder Freiheit war, ein Despot, gekrönte Selbstsucht, und dass seineVerherrlichung ein böses, gefährliches Beispiel. Es ist wahr, ihmfehlten die Bürgertugenden eines Bailly, eines Lafayette und er tratdie Gesetze mit Füssen und sogar die Gesetzgeber, wovon noch jetzteinige lebende Zeugnisse im Hospital des Luxembourg. Aber es istnicht dieser liberticide Napoleon, nicht der Held des 18. Brumaire,nicht der Donnergott des Ehrgeizes, dem ihr die glänzendsten Leichen-spiele und Denkmale widmen sollt! Nein, es ist der Mann, der das

13 ) Destutt comte de Tracy (17541836), Verfasser der Principesd'Ideolgie (18041824, 4 Bde.) und Pierre Jean George Cabanis (17571808)waren hervorragende materialistische Philosophen.