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Die französische Litteratur im Urtheile Heinrich Heine's
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dessen Mittelpunkt, das Leben des grossen Kaisers wie ein Kiesen-baum emporragt. Die Segnrscbe Geschichte des Russlandzuges istein Lied, ein französisches Volkslied, das zu diesem Sagenkreisegehört und in seinem Tone und Stoffe den epischen Dichtungen allerZeiten gleicht und gleich steht. Ein Heldengeschlecht, das durch denZauberspruchFreiheit und Gleichheit" aus.dem Boden Frankreichsemporgeschossen, hat wie im Triumphzug, berauscht von Ruhm undgeführt von dem Gotte des Ruhnies selbst die Welt durchzogen,erschreckt und verherrlicht, tanzt endlich den rasselnden Waffen-tanz auf den Eisfeldern des Nordens, und diese brechen ein, unddie Söhne des Feuers und der Freiheit gehen zu Grunde durchKälte und Sklaven.

Der Heroismus der imperialen Herrschaft ist der einzige, wofürdie Franzosen noch empfänglich sind, und Napoleon ist der einzigeHeros, an den sie noch glauben.

Wenn sie dieses erwägen, teurer Freund, so begreifen sie auchseine Geltung für das französische Theater und den Erfolg, womitdie hiesigen Bühnendichter diese einzige, in der Sandwüste desIndifferentismus einzige Quelle der Begeisterung so oft ausbeuten.Wenn in den kleinen Vaudevillen der Boulevards-Theater eine Sceneaus der Kaiserzeit dargestellt wird oder gar der Kaiser in Personauftritt, dann mag das Stück auch noch so schlecht sein, es fehltnicht an Beifallsbezeugungen; denn die Seele der Zuschauer spieltmit, und sie applaudieren ihren eigenen Gefühlen und Erinnerungen.Da giebt es Kouplets, worin Stichworte sind, die wie betäubendeKolbenschläge auf das Gehirn eines Franzosen, andere, die wieZwiebeln auf seine Thränendrüsen wirken. Das jauchzt, das weint,das flammt bei den Worten: Aigle francais, soleil d'Austerlitz,Jena, les pyramides, la grande armee, l'honneur, la vieille garde,Napoleon .... oder wenn gar der Mann selber, l'homme, zumVorschein kommt, am Ende des Stücks, als Deus ex machina!

Von welcher Bedeutung Napoleon einst für die französischeBühne sein wird, lässt sich garnicht ermessen. Bis jetzt sah manden Kaiser nur in Vaudevillen oder grossen Spektakel- und Dekorations-stücken. Aber es ist die Göttin der Tragödie, welche diese hoheGestalt als rechtmässiges Eigenthum in Anspruch nimmt. Ist es doch,als habe jene Fortuna, die sein Leben so sonderbar lenkte, ihn zueinem ganz besonderen Geschenk für ihre Cousine Melpomene be-stimmt. Die Tragödiendichter aller Zeiten werden die Schicksaledieses Mannes in Versen und Prosa verherrlichen. Die französischenDichter sind jedoch ganz besonders an diesen Helden gewiesen, dadas französische Volk mit seiner ganzen Vergangenheit gebrochenhat, für die Helden der feudalistischen und kurtisanesken Zeit derValois und Bourbonen keine wohlwollende Sympathie, wo nicht gareine hässliche Antipathie empfindet und Napoleon der Sohn der