Druckschrift 
Die französische Litteratur im Urtheile Heinrich Heine's
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

8

Le style c'est l'homme c'est aussi la femme! Frau vonStaels Unwahrheit: ein ganzes Katelier unwahrer Gedanken und Rede-blumen, welche bösen Dünsten gleichen. Sie rühmt Wellington, ceheros de cuir avec un cceur de bois und cerveau de papier-mache!

Frau von Stael war eine Schweizerin. Die Schweizer habenGefühle, so erhaben wie ihre Berge, aber ihre Ansichten der Gesell-schaft sind so eng wie ihre Thäler."

Ihr Verhältnis zu Napoleon: sie wollte dem Cäsar geben wasdes Cäsars war; als dieser aber dessen nicht wollte, frondierte sieihn, gab sie Gott das Doppelte."

Sie hatte keinen Witz, sie beging den Unsinn, Napoleon einenRobespierre zu Pferde zu nennen. Robespierre war nur ein aktiverRousseau, wie Frau von Stael ein passiver Rousseau, und man könntesie selber viel eher einen Rohespierre in Weibskleidern nennen."

Um Heines Äusserungen über die französische Litteratur zuverstehen und zu würdigen, ist ferner eine kurze Beleuchtung seinerBeziehungen zu derselben, der Rolle, die Frankreichs Litteraturund Sprache in seinem Bildungsgang gespielt, unerlässlich. Vonder französischen Jugenderziehung soll uns Heine seihst einiges inseiner humoristisch-satyrischen Weise erzählen:

. . . . Am allerbesten aber erging es mir in der französischenKlasse des Abbe d'Aulnoi, 5 ) eines emigrierten Franzosen, der eineMenge Grammatiken geschrieben und eine rote Perrücke trug undgar pfiffig umhersprang, wenn er seine Art poetique und seineHistoire allemande vortrug. Er war im ganzen Gymnasium dereinzige, welcher deutsche Geschichte lehrte. Indessen auch das Fran-zösische hat seine Schwierigkeiten, und zur Erlernung desselben gehörtviel Einquartierung, viel Getrommel, viel apprendre par cceur, undvor allem darf man keine Bete allemande sein.

.... Parbleu! wie viel verdanke ich nicht dem französischenTambour, der so lange bei uns im Quartier lag und wie ein Teufelaussah und doch von Herzen so engelgut war uud so ganz vorzüglichtrommelte.

.... Ich kleiner Junge hing an ihm wie eine Klette und halfihm seine Knöpfe spiegelblank putzen und seine Weste mit Kreideweissen denn Monsieur Le Grand wollte gern gefallen undich folgte ihm auch auf die Wache, nach dem Appell, nach derParade da war nichts als Waffenglanz und Lustigkeit lesjours de fetes sont passes! Monsieur Le Grand wusste nur weniggebrochenes Deutsch, nur die Hauptausdrücke Brot, Kuss, Ehre doch konnte er sich auf der Trommel sehr gut verständlichmachen, z. B. wenn ich nicht wusste, was das Wortliberte" be-deute, so trommelte er den Marseiller Marsch ich verstand ihn.Wusste ich nicht die Bedeutung des Wortesegalite", so trommelteer den MarschCa ira, ca ira", les aristocrats ä la

5 ) Heine schreibt bald d'Aulnoi bald Daunoi.