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lanterne — und ich verstand ihn. Wusste ich nicht was „betise"sei, so trommelte er den Dessauer Marsch, den wir Deutschen, wieauch Goethe berichtet, in der Champagne getrommelt — und ichverstand ihn. Er wollte mir mal das Wort l'Allemagne erklären,und er trommelte jene allzu einfache Urmelodie, die man oft anMarkttagen bei tanzenden Hunden hört, nämlich Dum — Dum —Dum — ich ärgerte mich, aber ich verstand ihn doch." 6 )
Auch in seinem Memoirenfragmente verfehlt Heine nicht, aufdas für seine Geistesentwicklung so bedeutungsvolle frühe und engeVertrautwerden mit dem französischen Kulturleben hinzuweisen:
„Ort und Zeit sind auch wichtige Momente: ich bin geboren zuEnde des skeptischen achtzehnten Jahrhunderts und in einer Stadt,wo zur Zeit meiner Kindheit nicht bloss die Franzosen, sondern auchder französische Geist herrschte.
Die Franzosen, die ich kennen lernte, machten mich, ich musses gestehen, mit Büchern bekannt, die sehr unsauber und mir einVorurteil gegen die ganze französische Litteratur einflössten.
Ich habe sie auch später nie so sehr geliebt, wie sie es ver-dient, und am ungerechtesten blieb ich gegen die französische Poesie,die mir von Jugend an fatal war.
Daran ist wohl zunächst der vermaledeite Abbe Daunoi schuld,der im Lyceum zu Düsseldorf die französische Sprache dozierte undmich durchaus zwingen wollte, französische Verse zu machen. Wenigfehlte und er hätte mir nicht bloss die französische, sondern diePoesie überhaupt verleidet." (B. VII, 461.)
Und in der für die Eevue de Paris bestimmten autobiogra-phischen Skizze (Febr. 1835) heisst es gleich zu Beginn: „Dans monenfance j'ai respire l'air de la France." In dem Elternhaus war esvor allem, wo Harry „französische Luft einatmete". Von seinerMutter berichtet er in den „Memoiren": „Ihr Glaube war ein-streuger Deismus, der ihrer vorwaltenden Vernunftsrichtung ganz an-gemessen. Sie war eine Schülerin Bousseaus, hatte dessen „Emile"gelesen, säugte selbst ihre Kinder, und Erziehungswesen war ihrSteckenpferd." Sein Grossoheim, ein geistreiches, etwas seltsam ge-artetes Original, schrieb und sprach meistens französisch. Auch von■ihm erzählt Heine in seinen Memoiren. Es habe dieser wunderlichekosmopolitische Schwärmer stark auf seine jugendliche Phantasie ein-gewirkt. Jm Lyceum musste Heine, wie jeder kleine Collegien vongestern und heute, Lafontaines Fabeln hersagen. Recht bezeichnendist es, dass er gerade in dem Buche des grossen Fabulisten fran-zösisch lesen lernte. „Die naivvernünftigen Redensarten desselbenhatten sich meinem Gedächtnis am unauslöschlichsten eingeprägt." —Die Musik der Sprache, die ihm der geliebte Tambour Le Grand inHerz und Sinn hineingetrommelt, hat er nie ganz vergessen. Später,als Student, sammelt er dann in dem Arsenal der französischen Auf-
6 ) Das Buch Le Grand III p. 153.