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Die französische Litteratur im Urtheile Heinrich Heine's
Entstehung
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als ein echtes, wenn auch untreues Kind der grossen Revolution, zu be-trachten, der eine neue Zeit schuf, demancien regime" den Garausmachte und wie ein zerstörender aber auch luftreinigender Orkanüber Europas Mittelmässigkeit hinwegbrauste. Vor allem war esaber doch der Dichter, den dies hochdramatische Menschenschicksalfesselte, der von diesem mächtigen "Willen, dem knappen und zünden-den Lapidarstil des kaiserlichen Eedners und Schriftstellers hin-gerissen wurde. Und der Poet ist e=, der schreibt (Buch Le GrandKap. IX):

Der Kaiser ist tot. Auf einer öden Insel des Indischen Meeresist sein einsames Grab, und er, dem die Erde zu eng war, liegtruhig unter dem kleinen Hügel, wo fünf Trauerweiden gramvoll ihregrünen Haare herabhängen lassen und ein frommes Bächlein weh-mütig klagend vorbeirieselt. Es steht keine Inschrift auf seinemLeichenstein; aber Klio mit dem gerechten Griffel, schrieb unsicht-bare Worte darauf, die wie Geistertöne durch die Jahrtausendeklingen werden."

Es erging Heine ähnlich wie der grossen Masse des franzö-sischen Volkes, das in der Herrlichkeit des ersten Kaiserreichs eingewaltiges patriotisches Epos, d. h. Poesie siehteine Poesie,die noch dazu Opposition bildet gegen die Geistesnüchternheit dessiegenden Bürgerstandes." "Wie viel Unglück und Gräuel diesePoesie" verursacht, auf wie viele Tausend und aber Tausend Leichendieser kaiserliche Glanz aufgebaut war, das wusste Heine wie gesagt,gut genug.Die Acker lagen brach und die Menschen wurden zurSchlachtbank geführt. Überall Mutterthränen und häusliche Ver-ödung." Und aus der Norman die, wo er allenthalben den BildnissenNapoleons begegnet, der bald Heilands-ähnlich, bald als Sterbender,der den Tod der Sühne stirbt, dargestellt ist, schreibt der scharf-sinnige Beobachter der Weltgeschichte am 20. Aug. 1832:Wir,die wir von einer andern Symbolik befangen sind, wir sehen inNapoleons Martyrtod auf St. Helena keine Versöhnung in dem an-gedeuteten Sinne, der Kaiser büsste dort für den schlimmsten seinerIrrtümer, für die Treulosigkeit, die er gegen die Bevolution, seineMutter, begangen. Die Geschichte hatte längst gezeigt, wie die Ver-mählung zwischen dem Sohne der Revolution und der Tochter derVergangenheit nimmermehr gedeihen konnte, und jetzt sehen wirauch, wie die einzige Frucht solcher Ehe nicht lange zu leben ver-mochte und kläglich dahin starb." Schliesslich giebt uns diesePoetenschwäi-merei für Napoleons historische Machtgestalt den Schlüsselzu Heines nicht immer geschmackvollen Angriffen auf Mme. de Stael,die aus der Heimat verbannte Tochter Neckers, die sich an demkaiserlichen Verfolger so leidenschaftlich beredt zu rächen wusste,vielleicht nicht nur als verfolgte Schriftstellerin, sondern auch alsgekränktes Weib. So müssen vor allem die gegen die grosse Fran-zösin geschleuderten giftigen Sarkasmen Heines inGedanken undEinfälle" (B. Vn, 428) gedeutet werden.