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Erde, der Schädelstätte ihres Leidens. Die Masse, die Stockeng-länder — Gott verzeih' mir die Sünde! •— sind mir in tiefster Seelezuwider und manchmal betrachte ich sie gar nicht als meine Mit-menschen, sondern ich halte sie für leidige Automaten, für Maschinen,deren inwendige Triebfeder der Egoismus. Es will mich dann be-dünken, als hörte ich das schnurrende Eäderwerk, womit sie denken,fühlen, rechnen, verdauen und beten •— ihr Beten, ihr mechanischesanglikanisches Kirchengehen mit dem vergoldeten Gebetbuch untermArm, ihre blöde, langweilige Sonntagsfeier, ihr linkisches Frömmelnist mir am widerwärtigsten; ich bin fest überzeugt, ein fluchenderFranzose ist ein angenehmeres Schauspiel für die Gottheit als einbetender Engländer! Zu andern Zeiten kommen diese Stockengländermir vor wie ein öder Spuk, und weit unheimlicher als die bleichenSchatten der mitternächtlichen Geisterstunde sind mir jene vier-schrötigen, rotbäckigen Gespenster, die schwitzend im grellen Sonnen-licht umherwandeln. Dabei der totale Mangel an Höflichkeit. Mitihren eckigen Gliedmassen, mit ihren steifen Ellenbogen stossen sieüberall an und ohne sich zu entschuldigen durch ein artiges Wort."Wie müssen diese rothaarigen Barbaren, die blutiges Fleisch fressen,erst jenen Chinesen verhasst sein, denen die Höflichkeit angeboren,und die, wie bekannt ist, zwei Drittel ihrer Tageszeit mit der Aus-übung dieser Nationaltugend verkniksen und verbücklingen!;' 4 )
Schon 1826, im Buche Le Grand (Kap. DK) ruft Heine Englandzu: „Britannia! Dir gehört das Meer. Doch das Meer hat nichtWasser genug, um von Dir abzuwaschen die Schande, die der grosseTote Dir sterbend vermacht hat." Da haben wir einen wichtigenKommentar zu seiner England feindlichen Stimmung. Gewiss konntedas handeltreibende Volk dem Künstlernaturell dieses Byronschwär-mens ohnehin wenig zusagen. Aber es war Englands sicherlichsehr geschicktes und für den Weltfrieden wohl unbedingt notwendiges,jedoch wenig ritterliches Verhalten gegen Napoleon I., das zumgrossen Teil der Abneigung Heines zu Grunde lag. Wie er überden korsischen Welteroberer dachte, ist an geeigneter Stelle ver-zeichnet. Hier nur ein erläuterndes Wort über seinen Buonaparte-KuLtus. Festgestellt sollte doch ein für alle mal in der Litteratur-geschichte die Thatsache werden, dass dieser Kultus in der Phan-tasie des Dichters, in Heines künstlerischem Empfinden wurzelt.Schon in den Düsseldorfer Tagen hat der geniale Schlachtenlenker,den er „mit hochbegnadigten, eigenen Augen, ihn selber, Hosianna'den Kaiser — geschaut", einen unauslöschlichen Eindruck auf dasGemüt des Knaben gemacht. Als mitfühlender Mensch sah er spätersehr wohl all das Elend und all den Jammer, den Napoleons mörderischeSchlachten in Frankreich und in der Fremde geschaffen hatten. Strenggeht auch der Historiker mit Napoleon ins Gericht. Nur derPolitiker ist geneigt, diesen Kaiser als einen demokratischen Helden,
*) Lutezia IL Tl. B. VI, 327.