Prosasehriften alle übersetzt sind, ja zum Teil zuerst in französischerSprache erschienen und zwar an erster Stelle, dass sie einst eifriggelesen wurden und heute noch von allen bedeutenden Litterar-liistorikern citiert werden, dass den Franzosen Heines zuweilen rechtschroffe Urteile bekannt sind, ebenso wie die guten und schlechtenWitze, die er auf Kosten des „eitelsten" aller Völker gemacht, sohat die Thatsache, dass Heine trotzdem zu den Lieblingen derfranzösischen Geisteselite gehört, für Deutschland etwas Beschämendes,— für Deutschland, das in Bezug auf grossmütiges Vergessen undschrankenloses Anerkennen von seinen Nachbarn lernen kann. —
Mit Daten wird uns Heine nicht sonderlich belästigen, er, derspöttelte: „Wie gesagt, die Jahreszahlen sind durchaus nötig; ichkenne Menschen, die gar nichts als ein paar Jahreszahlen im Kopfehatten und damit in Berlin die rechten Häuser zu finden wusstenund jetzt schon ordentliche Professoren sind" (Buch Le Grand VII).Um zu beweisen, dass wir nicht nur andere lehren wollen, HeinesSpass zu verstehen, sondern auch selbst seine satirischen Scherze,samt der darin steckenden ernsten Wahrheit, kosten können, citierenwir hier noch eine Stelle aus der „Komantischen Schule" (HI. Buch),die uns genau sagt, worin dies Buch sich von alltäglichen Literatur-geschichten unterscheiden wird:
„Die neuesten Litteraturhistoriker geben uns wirklich eine Lite-raturgeschichte wie eine wohlgeordnete Menagerie, und immer be-sonders abgesperrt zeigen sie uns epische Säugedichter, lyrische Luft-dichter, dramatische Wasserdichter, prosaische Amphibien, die sowohlLand- wie Seeromane schreiben, humoristische Mollusken u. s. w.Andere im Gegenteil treiben die Literaturgeschichte pragmatisch,beginnen mit den ursprünglichen Menschheitsgefühlen, die sich inverschiedenen Epochen ausgebildet und endlich eine Kunstform an-genommen; sie beginnen ab ovo wie der Geschichtsschreiber, derden Trojanischen Krieg mit der Erzählung vom Ei der Leda er-öffnet."
Wie Heine durch und durch „l'art pour l'art"-Poet war, sichüber Moral und nicht selten überVernunftssatzungen hinwegsetzte, wennes sich um einen künstlerischen Effekt handelte, so spielen auchbei Heine dem Kritiker spiessbürgerliche Moralparagraphen keineBolle. Hier, wie in seinen politischen Schriften, ist er der erklärteFeind der ängstlich genauen, farblosen und nüchternen Bourgeoisie. —Störend wirkt Heines schon oft gerügte Art, das Privatleben inseine litterarischen und polemischen Schriften hineinzuziehen. Obwir wohl heute noch das Kccht haben dies rücksichts- und taktloseEindringen in das intime Leben hervorragender Personen zu tadeln? —
Ein charakteristischer Zug, der sämtlichen Werken Heines eigen,hier aber ganz besonders deutlich hervortritt, ist seine „über Tischeund Bänke springende und aus einer Ecke in die andere fahrende.Manier." Auch als Kritiker vermag er nicht lange bei der Sache.zu bleiben, einen Gegenstand festzuhalten. Bei dem Dichter haben
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