— i2g —
Werkes mahnen, das er für mich in Arbeit hatte. Es freute ihnmich zu sehen, | denn wir hatten uns seit langem nicht getroffen; f. 150.Nachdem wir aber unsere Arbeit in Augenschein genommen hatten— ich sage unsere Arbeit, weil die Zeichnung von mir war,und er dieselbe colorierte — als ich mich gerade anschickte,mich zu verabschieden, verlangte er zu wissen, warum ich ihnschon verließe, und wohin ich mich so eilig begäbe.
Wie er aber hörte, ich gienge nach der Kirche von SanSilvestro zu einer Unterredung mit dem Meister Michel Angeloder Marchesa von Pescara, Vittoria Colonna und dem siene-sischen Edelmanne Lattanzio Tolomei, rief D. Ginlio aus:
— > Messer Francisco! Könntet Ihr mir nicht dazu verhelfen,dass auch ich der Unterredung mit einer so hohen Versammlunggewürdigt würde, und bewirken, dass Michel Angelo michdurch Eure Vermittlung in die Zahl seiner Diener aufnähme?«
Ich aber sprach lachend:
— >Ich bin ein Fremder und erst seit einem Jahre in diesemLande, und doch wollt Ihr, einer seiner tüchtigsten und würdigstenSöhne, ein Patrizier, mir so viel zutrauen ? Sprecht doch selbstmit Michel Angelo, er wird sich gewiss freuen, Euch kennen zulernen; der Meister ist in Wahrheit ein Gentiluomo, | von großer f. 150Klugheit und umfassender Gelehrsamkeit, wenn wir sein Wissen v 'und seine Kunst beiseite setzen, die niemand ihm absprechenkann, und der Umgang mit ihm ist keineswegs so schwer, wie
die Leute glauben. Weil ich aber nur durch die hohe Gunst derFrau Marchesa zu jenen Versammlungen hingezogen wordenbin, und Ihr dem großen Meister bis heute fremd seid — die-weil er Euch noch nicht kennen gelernt hat ■— so bitte ich Euch,es mir nicht nachzutragen, wenn ich mir nicht gleich die großeFreiheit gestatte, Euch mit mir zu nehmen, ohne Euch vorherangemeldet zu haben. Ich werde zu beiden über Euch reden,D. Giulio, und bin fest davon überzeugt, dass, wenn sie über .Euch wohl unterrichtet sind, sie Euch alsbald für ihrer Bekannt-schaft würdig anerkennen werden. Erlaubt mir indessen, dass ichselber nun sofort dorthin eile; denn ich glaube, es ist schon Zeit,und sie möchten vielleicht bereits auf mich warten.«
Auf solche Weise wollte ich mich von D. Giulio ver-abschieden. Doch ganz anders, als ich erwartet hatte, sollte sichjener Tag gestalten!
Quellenschr. IX. Bd. 9