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Vier Gespräche über die Malerei, geführt zu Rom 1538
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— »Wo gibt es einen tugendhaften und frommen Menschen,der, wenn er sich aus lauter Heiligkeit von ihr abwenden wollte,nicht trotzdem Ehrfurcht und fromme Scheu empfände, wenner sich in die Betrachtung religiöser Gemälde versenkt? An' Zeit würde es eher gebrechen, denke ich, als dass man ihr\ Lob erschöpfte. Sie erfüllt den Trübegestimmten mit Freudig-keit; dem Sorglosen wie dem Bekümmerten zeigt sie dasmenschliche Elend; den Hartherzigen bewegt sie zur Reue;den Weltlichen zur Buße, den Unfrommen und Leichtfertigenzu beschaulichem Sinnen, bisweilen sogar zu Furcht undScham. Sie zeigt uns den Tod und das Leben in milderer Formals es sonst der Fall ist; die Qualen und Schrecken der Hölle, | f - 1Hund soweit das möglich ist, die Glorie und den Frieden der Seligen,ja sogar das unfassbare Abbild Gott Vaters. 90 Sie schildert uns dasfromme Leben der Heiligen, die Standhaftigkeit der Märtyrer, dieReinheit der Jungfrauen, die Schönheit der Engel, die Liebe undBarmherzigkeit, in der die Seraphim erglühen, so schön es nurdargestellt werden kann; sie vertieft den Geist, erhebt das Gemüth: bis über die Sterne und regt zum Sinnen über das himmlischeReich dort oben. an. Was soll ich darüber sagen, dass sie unsHelden aus vergangenen Zeiten vor Augen führt, von denen nichteinmal mehr die Gebeine übrig sind, damit wir ihre großen Thatennachahmen können ? wie sie uns Rathsversammlungen, Schlachten,Ereignisse und wissenswerte Begebenheiten vor Augen führt, tapfereThaten, frommen Wandel und gute Sitten vergegenwärtigt? DemFeldherrn unterweist sie über die Art der Heere im Alterthume,ihre Cohorten und Einrichtungen, ihre Disciplin und ihre Kampfart.Sie flößt Muth und Begeisterung ein, indem sie zu edlem Wett-eifer und erlaubtem Neid, berühmten Helden gegenüber, anspornt,wie Scipio Africanus selber bekannt hat. 51

Sie bewahrt das Andenken der Todten, für die, welche nach

ihnen I kommen. 52 Sie stellt fremdartige und veraltete Trachten f- 111

vI aar, die Eigenthümlichkeiten der Völker und ferner Nationen, die '

Mannigfaltigkeit der Gebäude, Thiere und Ungeheuer, die zu

schildern, viele und doch ungenügende Worte nöthig wären. Und

überdies kann sie uns das Bild jedweden bedeutenden Mannes

Erbieten, dessen Anblick und Bekanntschaft ein jeder um seiner

entbehrlich

ien Worte: Indevotoy poco. Freilich sind sie nur Zusatz von späterer Hand,