GYMNASIUM 117
abgingen oder aus den Ferien nicht wiederkehrten. Zum Jahre1743 wird sogar ein Rhetor mit dem wenig schmeichelhaftenEpitheton „pessimus socius" bezeichnet; 1766 klagte der Klassen-lehrer der Syntaxisten über einen eisernen Querkopf aus Volk-marsen, der ohne Wissen und Zustimmung der Eltern dasGymnasium verließ und wahrscheinlich von seinem Nachbarverleitet nach Köln wanderte. Gleich neben ihm steht einWilhelm Blum aus Brandenburg, „der als Dummkopf von Cölnkam und bei uns mehr dem Bettel als den Wissenschaftenlebte". So war das Magisterium herzlich froh, als dieser „fah-rende Scholar" am Schulschluß sein Glück auf dem Gymna-sium zu Rheine zu versuchen beschloß. Solche junge, pflicht-vergessene Studenten sind doch stets nur seltene Ausnahmengewesen.
Für den ernsten religiösen Geist unter den Studentenspricht die Tatsache der zahlreichen Klosterberufe. Allein demFranziskanerorden traten im Laufe der Jahre etwa 50 Studentenbei 1 ); drei traten in den Dominikanerorden, zwei in den Bene-diktinerorden, wobei zu bemerken ist, daß der Catalogus auchin der Angabe des späteren Berufs der Studenten nicht voll-ständig und genau geführt worden ist. Der Eintritt in denWeltpriesterstand ist überhaupt niemals erwähnt; daß er sehrzahlreich erfolgte, ist zweifellos. Ein früherer GymnasiastGesekes erreichte auf der hierarchischen Stufenleiter sogardie Bischofswürde; es ist der Paderborner Bischof FranzDrepper 2 ).
Schon die Zensuren des Catalogus verraten mit ihrendurchschnittlichen guten Noten, daß im ganzen die Schüler vonernster Pflichterfüllung durchdrungen waren. Im Jahre 1695,in dem zum ersten Male Zensuren vermerkt werden, steigensämtliche acht Studenten in die Syntax auf; von 13 Infimistendesselben Jahrgangs haben nur zwei das Klassenziel nicht er-reicht. Nach der Wiedereröffnung des Gymnasiums stiegen imJahre 1718 von 28 Infimisten 18 auf, von 44 Sekundanern des
') Vgl. Anhang Nr. 5.
-) Über Alter und Heimat der Schüler und über die Stärke der einzelnenKlassen vgl. die Anlagen bei Lappe 51—50.