IV. Gymnasium.
A. Äußere Geschichte des Gymnasiums.
Die energische Offensivbewegung des deutschen Katholi-zismus, für die man den etwas unglücklichen Namen „Gegen-reformation" geprägt hat, macht sich wohl unbestritten amdeutlichsten und vielleicht auch intensivsten auf dem wichtigenGebiet einer den Anforderungen der Zeit entsprechenden Jugend-erziehung bemerkbar.
Auch die Franziskaner der sächsischen Provinz haben seitihrer Restauration im Beginn des siebzehnten Jahrhunderts andieser großen Aufgabe erfolgreich mitgearbeitet l ), und ich müßtezur Vollständigkeit meiner Arbeit die interessante Geschichtedes Franziskanergymnasiums zu Geseke selbst dann, wenig-stens in großen Zügen, behandeln, wenn ich nicht in der Lagewäre, das von Lappe gezeichnete Bild zu ergänzen und näherauszuführen 2 ).
Dieser großartige Aufschwung der pädagogischen Be-strebungen auch im katholischen Deutschland, der mit demJesuitenorden unlöslich verknüpft ist, blieb mit seiner Be-schränkung auf den ausschließlichen Gelehrtenunterricht einegroße Einseitigkeit und wirkte deshalb nach der von der Re-naissance und dem Humanismus eingeleiteten Spaltung des
') Paulsen 1* 432. Selbst die den sächsischen Franziskanern unter-stehenden Nonnenklöster mit strenger Klausur waren von der allgemeinenUnterrichtsfreudigkeit ergriffen und hatten Hausschulen. Vgl. über die Annun-tiaten zu Wiedenbrück Schmitz, Agnetenkloster 44, Doelle 202 und Actacap. I 53. Die Klarissen erhielten 1671 durch Kapitelsbeschluß dieselbe Er-laubnis, allerdings unter der uns fremdartig anmutenden Bedingung einesInternats mit strenger Klausur. Vgl. ebd. II 6.
2 ) Läpp es dankenswerte Studie bringt viel wertvolles Material inden Anmerkungen, wo es leider nur wenig zur Geltung kommt.