GYMNASIUM 103
schaftliche Tagewerk mit der Lektüre Ciceros, dessen Stelleau den sogenannten Rekreationstagen die früher erwähntenProgymnasmata des Pontanus einnahmen. Dann folgte primagrammatica mit den Anhängen für die zweite Grammatikalklasse.Nach Tisch wurde secunda und tertia grammatica durchge-nommen und im Hadrianus gelesen, während die Wiederholungder Rudimenta wiederum den Schulschluß bildete.'
Für die Syntaxisten war das Tagespensum das derSekundaner, nur fiel das Studium der Rudimenta aus und anStelle des Hadrianus trat Ovidlektüre.
Auf der Poetika war nach der Katechese am Morgen imtheoretischen Teil Rhetorik und die Lehre über die Tropenund Figuren; als Lektüre diente wiederum Cicero, der an denRekreationstagen durch Curtius „oder einen anderen, den dieSchüler in Händen haben", ersetzt werden konnte. Am Nach-mittag wurde Prosodie tradiert und Vergil gelesen.
Die Studenten der obersten Klasse hatten entsprechendihrem Namen zunächst Rhetorik; als klassischste praktischeÜbung diente wiederum Cicero, der an Rekreationstagen durchLivius oder einen anderen lateinischen Schriftsteller ersetztwerden konnte. Die Schulstunden am Nachmittag waren derProsodie und Horazlektüre gewidmet.
Dieser Lehrplan, der natürlich den Unterrichtsbetrieb anden katholischen und protestantischen Gymnasien jener Zeit imwesentlichen gleich war, blieb bis tief in die zweite Hälfte des18. Jahrhunderts hinein maßgebend.
Erst als die Aufklärung auch auf dem Gebiet des Unter-richtswesens eine wahre Revolution hervorrief, wurden auchdie Franziskanergymnasien in die allgemeine Schulreformhineingezogen und den berechtigten Forderungen einer neuenZeit entsprechend umgestaltet. An Stelle des althumanistischentrat der neuhumanistische Studienbetrieb; „Katechismus undlateinische Grammatik, die beiden Pfeiler der alten Lateinschule,erschienen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts niemandmehr tauglich, den Bau der Jugendbildung zu tragen" i ). Und
Paulsen II 2 40.