Druckschrift 
Kloster und Gymnasium Antonianum der Franziskaner zu Geseke
Entstehung
Seite
99
Einzelbild herunterladen
 

GYMNASIUM ()()

Darstellungsform in Prosa und Poesie vermittelt werden, sodaß sie in der Lage waren, ihre Gedanken in angemessenerForm und gutem Vortrag auszudrücken. Daß dieses Ziel imganzen und großen erreicht wurde, ist sicher. Vor einigerZeit fand P. Cajetan Schmitz beim Auflösen eines aus Gesekestammenden „verdächtigen" Buchdeckels eine ganze Anzahldurchkorrigierter Schülerarbeiten, die teilweise eine beneidens-werte Fähigkeit und Formgewandtheit in lateinischer Prosaund Poesie verraten.

Es wäre ungerecht, wollte man diese Beschäftigung mitder lateinischen Sprache und ihren Schriftstellern nur unterliterarisch-formalem Gesichtspunkte betrachten; zweifellos warneben dem freilich vorwiegenden Interesse an der literarischenund sprachlichen Form dieses klassischen Schriftwerks auchder materielle Inhalt für diese Zeit von Bedeutung. Es zeugtvon wenig historischem Blick, den Gymnasien diese Bevor-zugung der lateinischen Sprache als Schuld anzurechnen, undes sollte wirklich nicht mehr vorkommen, daß selbst in neuesterZeit noch methodisch arbeitende Historiker mit den naturgemäßstark übertreibenden Reformschriften damaliger Zeit behaupten,die Schüler seien im Sprachunterricht nur zu einem „Papageien-geplauder gedrillt" worden x ). Wenn die Hauptaufgabe desgesamten Gymnasialunterrichts letzten Grundes die mündlicheund schriftliche Beherrschung der lateinischen Sprache war,so erklärt sich diese dominierende Stellung des sprachlichenUnterrichts zunächst aus der Tatsache, daß die lateinischeSprache die Gelehrtensprache und vor allem die Amtsspracheder Universitäten war. Das Gymnasium sollte ja das Tor fürdie Gelehrtenlaufbahn und für die Universitäten bilden. Sogaben die Gymnasien ihren Abiturienten mit der ihnen vermit-telten Ausdrucksmöglichkeit im Lateinischen den notwendigenSchlüssel mit auf den Weg für das auf den Universitäten zubetreibendes Fachstudium. Fing doch, wie Paulsen sich aus-drückt 2 ), erst eigentlich mit dem Revolutionsjahre 1848 „dielateinische Luft' 1 aus unseren Universitäten zu schwinden an,

') Hardewig 10. '-') Paulsen II 1 ' 101.