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Kloster und Gymnasium Antonianum der Franziskaner zu Geseke
Entstehung
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96 GYMNASIUM

erschienen sind und in reinem Latein und gefälliger Dialogformdem Schüler naheliegende und für seine Ausbildung notwendigeStoffe behandelten. So war neben der Pflege der klassischenLatinität in dieser Lektüre zu gleicher Zeit ein wichtiges Er-ziehungsmittel gesichert. Denn es fanden sich in diesem Werk„nicht allein interessante Beiträge zu den damaligen Schul-sitten. Deposition 1 ), akademische Grade, Schnltheater, Betriebder klassischen Sprachen und Schulübungen, sondern aucheine Anstandslehre, Tischzucht, dringende Warnungen vor Ehr-sucht, und Unmäßigkeit im Essen und Trinken. Pontan empfiehltEhrfurcht vor den Frauen und Liebe zur heimatlichen Sitte . . .,er bringt einen eigenen großen Dialog über Deutschland, inwelchem Deutschland gepriesen wird wegen seines mildenKlimas, seiner herrlichen Gärten, fruchtbaren Felder, fischreichenSeen und Flüsse, hohen Gebirge, heilkräftigen Bäder"-'). Wieein zweiter Tacitus und mit echtem patriotischen Empfindenschildert er die deutsche Ehrlichkeit, Offenheit, Wahrheit undTreue; er behandelt die größten deutschen Erfindungen, desPulvers und der Buchdruckerkunst. Schon dieser knappe Hin-weis auf den reichen Inhalt läßt begreiflich finden, daß selbstGelehrte das Werk zur fruchtbaren Lektüre wählten, und daßes selbst in protestantischen Schulen eingeführt wurde.

Aus sämtlichen Studienverordnungen geht hervor, daßwenigstens in dieser ersten Periode bis zum Einbruch derschulreformatorischen Ideen im letzten Viertel des 18. Jahr-hunderts fast ausschließlich Glaubenslehre und lateinischeSprache Unterrichtsgegenstände waren. Das vollständige Zurück-treten sowohl des deutschen Unterrichts wie auch aller Realienhatten die Franziskanergymnasien natürlich mit allen anderenStudienanstalten damaliger Zeit gemein. Ihnen daraus einenVorwurf zu machen, hieße die geschichtliche Entwicklungkorrigieren wollen. Wir werden später sehen, daß sie vonder in der Aufklärung einsetzenden Schulreform für ihreStudienanstalten genügend Nutzen schöpfen.

') Unter Dopositio vorstand man einen vielfach ausartenden Aufnahme-akt neuer Studenten in die Studienanstalten durch die alten Schüler.-J Duhr 072.