52 WIRKSAMKEIT UND WIRTSCHAFTUCHE LAGE
Aus diesem kurzen Exkurs geht schon zur Genüge dieOberflächlichkeit und greifbare Tendenz des vernichtenden Ur-teils des letzten Landdrosten von Westfalen hervor. FranzWilhelm zum Desenberg schreibt nämlich in seinen „Gedankenüber die Aufhebung der Klöster und Stifter im HerzogtumWestfalen", allerdings schon am Ende unserer Periode, in sowegwerfender Art über die Vorbildung und spätere Wirksam-keit der Bettelmönche, die an apodiktischer Schärfe nichts, aneiner auch nur oberflächlichen Quellenbegründung alles ver-missen läßt, wenigstens soweit unsere Provinz in Frage kommt.Er schreibt: „An der Spitze aller müssen hier Kapuziner stehen;und die Bildung, welche sie den jungen Mönchen geben, ver-dient besonders ausgehoben zu werden. Diese leben nur, umimmer stupider zu werden; wer den höchsten Grad der Ver-standes-Verleugnung unter ihnen erreicht, ist der vollkommensteKapuziner, und auf diesen Zweck sind ihre Studien musterhafteingerichtet. Wenn ein Jüngling die lateinische Schule verläßt,so kann er im Orden aufgenommen werden. Nach zurück-gelegtem Noviziat und abgelegten Ordensgelübden ist er Kapu :ziner, und nun fängt seine systematische Erziehung an; er wirdFamilien-Frater, das heißt, daß er zwei Jahre hindurch keinBuch außer seinem Breviarium in die Hand nehmen darf. Ermuß dagegen alle häuslichen Arbeiten eines Knechtes und einerMagd im Kloster übernehmen. Nach zurückgelegten zweiJahren studiert er Philosophie und Theologie, und ist er in derletzteren so weit gekommen, daß er das [Examen] Ordinan-dorum aushalten kann, so wird er Priester und tritt von nunan das Amt eines öffentlichen Religionslehrers an, ohne jemalsaußer seinem Breviario ein Buch in die Hand zu nehmen.
Die Franziskaner, diese Bettelmönche, weichen von ihrenOrdensbrüdern darin ab, daß sie ein besser eingerichtetes Stu-dium haben. Indessen da sie hin und wieder Gymnasien vor-stehen, folglich die besser unterrichteten dafür wählen müssen,so folget hieraus, daß die elendeste Klasse zur wandernden Seel-sorge bestimmt wird. Ebenso verhält es sich mit den Minoriten.
Dieser ungebildeten Klasse überläßt man sorglos die Lei-tung der Gewissen der Untertanen. Ihre Unwissenheit, ihre