Druckschrift 
Johann Hartliebs Übersetzung des Dialogus miraculorum von Caesarius von Heisterbach
Entstehung
Seite
302
Einzelbild herunterladen
 

302 IV, 5217, 53.

bey dem loch. Da suncken die wäntt zu samen, und der under ward verscMttmit der swär der erden, der ober ward auch so vast von dem ertrich zermischtdas er am dritten tag starb. Das weib des verfallen wolt wänen er war gestorben,die dett in besingen und gab vil umb seiner seel willen, doch bedeweht das5 weib es war zu wenig und oppfert all tag wein und prott und cherezen mit wey-rach ain gancz jar minder dreyer tag. Darnach hüben ander an die grub zurwmen durch gewins willen, und da sy nahetten mit den bickeln dem verfallen,da schray er lawtt: 'Gmach, gmach, und sehontt mein, werff die stain leysz,das ir mir nit wee tütt!' Sy erschracken und wäntten es war ain trügniisz, doch

10 über lanck erkantten sy sein stymm und grüben gar leysz. Da sy in enplösten,da fragten sy in wie er so lang zeitt nißcht geleben. Er antwurtt in und sprach:'Ich pin alltag zu mesz zeitt wol gespeiszt und sunder mit aim so süszen ge-smachen das mich den ganezen tag und nacht weder gehungertt noch gedürsthatt bysz wyder zu der zeitt, und diez gancz jar hab ich das gehabt, dann allain

15 drey tag sind mir abgangen, und da was ich nahent tod vor hunger. Er moelitnit volsagen die tugent und chrafft desselben gesmachen. Da seinem weibdas gesagt ward, da verstund sy pald das der rauch was, den sy alltag mit weirachin der chirchen für sein seil than hett. Die sagt darnach allen lewtten was sygethan hett umb sein seel.

20 Novicius: Mögen die geistlichen ding, die man für die seel tut, also

zu hilff und trost körnen dem leib, so hoff ich das sy den seien, die dann in peynsem, vast nücz und gut sein.

Monachus: Davon wirst du vil und genüg hörn in den nachgeendengeschryfften, wann wie vil den gütten nücz pringt das christenlich gesaez, als

25 vil Schadens und pen pringt ez den pösen, die dann die heylikait und gesaezder kirchen versmähen.

Das LIIj capitel.

Von aim man, der das sacrament der aschen verspott, der in

aschen darnach erstickett.

80 Uns hatt gesagt umiser münch Thodricus, der vor was graff zu Weyda,

gar ain frömd, wunderlich sach. Er sprach: 'Ich bab erkantt zu Kopplencz ainmeezker, der in sein amppt gar früm und erber was,' doch sein namen sagt ernit. Der selb sas ain mal an der vasnacht die ganezen [192"] nacht pey der lullund frässerey. Des morgens gieng er mit aim seim gesellen in die tafern und wolten

9. tütt] tu ist undeutlich, anscheinend über Rasur geschrieben.

11. geleben] das zweite e aus o korrigiert.

16. weib ist übergeschrieben.

22. sein] seim; vor dem o gestrichen y,

30. was] s undeutlich, wie die Abbrev. n.

31. nach orkantt nochmals er kant.