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Johann Hartliebs Übersetzung des Dialogus miraculorum von Caesarius von Heisterbach
Entstehung
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WorfVerzeichnis.

Ein Beitrag zur Wortgeschichte des 15. Jahrhunderts.

Der besonderen Bedeutung von Hartliebs Wortschatz wurde schon kurz im Eu-phorion 26, 545f. gedacht; es folgt hier eine eingehendere Zusammenstellung, welche dieVielseitigkeit und Ausdrucksfähigkeit seiner sprachlichen Mittel noch deutlicher erkennenläßt. Die lateinischen Entsprechungen mußten beigegeben werden, weil es sich um eineÜbersetzung handelte und weil gezeigt werden sollte, wie Hartlieb die jeweiligen lateinischenAusdrücke wiedergibt, welclis gemeinsame Bedeutungsgrundlage bei verschiedenen latei-nischen Worten ihn zur Wahl des nämlichen Ausdruckes veranlaßt, im Gegensatz zuden im Euph. 26, 499 gegebenen Zusammenstellungen, die umgekehrt lehren, wie reichhaltigHartlieb den gleichen Ausdruck seiner Vorlage zu variieren imstande war. Die Durch-musterung des hier gesammelten Wortschatzes enthüllt eine bemerkenswerte schöpferischeBegabung und eine Vergleichung mit der zweiten, wesentlich vermehrten Ausgabe vonA. Ooetzes trefflicliem frühneuhochdeutscliem Glossar (kl. Texte für Vorles. und' Ubg. ed.H. Lietzmann Nr. 101, Bonn 1920) lehrt in höchst fesselnder Weise, wie weit Hartlieb überden uns aus Belegen bekannten Wortvorrat hinausgelangl x ). Als primitivste Wortschöpfungseilen wir die einfaclhc Herübernahme lateinischer Wörter (abluczen, lat.: absolutione; am-pällen, lat.: ampullis); dann finden wir wörtliche Übertragung, zumal wenn Hartlieb mit derSchwierigkeit der Übersetzung [bei philosophischen Stellen) etwas ins Gedränge kommt (werck-zeugleich: instrumentaliter; gestaltleich: formaliter; verstendlich = durch den Verstandgeschehend lat.: intelleotualis; gleichhaissung (gleichnamigkeit), lat.: *aequivocatio;verplender (Unterdrücker), lat.: excaecatorem; verworfen (sc. tüchlein), lat.: abjeetis;ausgeworfen (verworfen sc. Sünden), lat.: eieoti; zusammenwerfen (= begreifen), lat.:coniicio; hunger (Teuerung), lat.: fames usw.). Auf dem Gebiete der Wortbildung be-vorzugt er bei den Substantiven das Suffix -ung, mit dem er das Moment der Tätigkeit, denVorgang als solchen, deutlich und mit Absicht herauszuarbeiten strebt, statt des substanti-vierten Infinitivs: missevallung (Mißfallen); gleiohmachung (Nachbildung); stichelung(das Stechen); wizzenung (das Wissen); schreckung (das Erschrecken); begerung (Begier);ebenpildung (Beispiel). Die Nachsilbe -keit treffen wir in neuen Zusammensetzungen:wankelkeit, andachtigkeit, desgleichen beim Adjektiv die Suffixe -lieh und -ig: durchlich{verletzt seiend); horlich (hörbar); ungedachtlich (lat.: immemor); leidlich (Leid ver-ursachend); nachlässiglich; erkennig (zur Erkenntnis befähigt); dann redhafft (beredt);zu heilsam bringt er ein unheilsam; plutigen (blutig maclien) usw. Bei anderen Wörterngibt z. B. Lexer nur einen einzigen Beleg, der noch dazu beachtenswert häufig aus Diefen-bachs Glossaren (Lexer I S. XV) entnommen ist: heilwärtig; undächtig; undanksam.Sonst bekannte Worte verwendet Hartlieb in neuer Bedeutungsschattierung: treumlich = imTraum erscheinend, bei Lexer nur ein Beleg aus Barlaam = traumartig; enpfintlich (im

x ) Die mit * versehenen Worte sind auch bei A. Goetze enthalten; ein (*) bedeutet,daß das Wort zwar auch bei Goetze verzeichnet ist, jedoch in anderer Bedeutung.