Druckschrift 
Johann Hartliebs Übersetzung des Dialogus miraculorum von Caesarius von Heisterbach
Entstehung
Seite
90
Einzelbild herunterladen
 

90 1, 59.

warn, mit ubelhandeln, slahen und rauffen für all ander. Do ich darnach einjungling was, do legt ich meinen fleiz auff stelen und do ich zu einem mannward, do nam ich mich an zu rauben und morden die menschen on parmherczi-kait, und ward in der selben poshait so leüffig und vermärt das ich aller ander5 rauber, Schacher und mörder ein haubt und ir öbrister in den sünden pin indisem lannde.' Der münch sprach: 'Ey, furcht ir nicht die hellischen, ewigenpein, die zu solichen pösen wercken berait sind?' 'Von meiner seel darffnyemant fragen, wann ich derselben chainen trost noch hoffnung han, dassy ymmer müg zu gnaden körnen von meiner grossen sünden wegen.' Der münch

10 sprach: 'Wie, und ob ich euch einen weg des hailes weist, wolt ir mir der volgenoder nicht?' Der Schacher sprach: 'Ja, ich wolt des gern volgen.' Der münchsprach: 'Ir sült alle wochen einen tag in unnser heben frauen eren vassten,und an dem selben tag sült ir nyemant, weder an leib noch an gut, laydigennoch beswarn. Tut ir das, so wisset in warhait das euch die selb mütter Gots

15 und aller parmherczikait, genad und säld von irem lieben sün erwirbet.' DerSchacher sprach: 'Das wil ich werlich tun und gelob das yeczund unnser liebenfrauen, das ich desselben tags nichts essen, nyemant rauben noch laydigen wil,und erwell mir darzu den sampcztag und wil daran das alles halten und vol-bringen und nichts daran würcken.' Dasselbe volbracht er also ettlich zeit,

20 das er auch vil menschen aus der anndern Schacher, seiner gesellen, henndepracht, [64''] die beraubt und er mordt warn worden, das tet er also in dienstund eren der küniginn Marie, in der liebe er also enzündt ward.

Zu der selben zeitt was die vorgenant statt Tryent mit grosser veint-schafft umbgeben, die sy tägleich angriffen mit raub und mit anndern beschedi-

25 gungen. Eines sampstags zugen dieselben von Tryent mit irn soldnern aus derstatt und eylten yr feynt nach und an dem selben nacheylen begriffen sy denBeiben Schacher mit etlichen anndern und viengen m on alle wer und ungewappent,gar plössen von des sampstags wegen, daran er von seiner gelüb wegen, die erunnser frawen getan hett, nyemant schaden pringen wolt, und sich auch nicht

30 zu weer stelt. Wie doch er ein gar ein starckher, werhaffter man was, so lieszer sich gtitleich on widersteen vahen und gefangen füren, und wes man in fragt,dem gab er chain antwurt und wolt auch nicht reden. Und so er also in derBtat Tryent pracht was, do ward er von etlichen wol erchant und ward geurtailtzu dem galgen. Doch von Schickung unnser heben frawen, als wol zu gelauben

35 ist, wurden die richter und schöpphen überain, das sy in von seines geraden,

, starckhen und wol geschickten leibes wegen wolden bey leben beleiben lassen.

22. er fehlt.

25. desselben. lat.: et exeuntes satellites civitatis, cum hostes die sabbatiinsequorentur.

26. nach fehlt. 27. ir.

36. lat.: iudices . . . convenerunt, ut provincia abiurata viveret.