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Johann Hartliebs Übersetzung des Dialogus miraculorum von Caesarius von Heisterbach
Entstehung
Seite
XXI
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Einführung. XXI

588) am Schlüsse der kleinen Kapitel, in welche das ganze Stück in der 'Ver-botenen Kunst' zerlegt ist:

S. 10 Kap. 12: wann die weil er jm dienet,die weil geläng dem ritterin allen sächen wol.

Kap. 14: der herre fürt den knecht zu seinem gemähel.Kap. 16: jn angesicht der stund verschwand der jüngling.

Aber auch im Text selbst. Der Ritter drängt den Diener, sein wahres Wesen zuenthüllen:

Kap. 16: lieber knecht, jch frag dich vf deinen äydewer du seyest,

dann nochmals stärker:

jch gepüit dir by göt vnd seiner häiligen märter,das du mir sägest, wer du seyest

und der Knecht sagt dagegen:

herr, behält mich: jch will euch reichen und meren.

Alles in allem sieht man auch schon bei diesem kurzen Stück wieder das hohe sti-listische Können, über welches Hartlieb sclion damals {die ' Verbotene Kunst' stammtaus dem gleichen Jahre wie die Brandanlegende = 1456) gelegentlich verfügte.

Eine Übersetzung des Caesarius im fünfzehnten Jahrhundert stellte derdamals noch in den Anfängen steckenden Über Setzungskunst schwierige Probleme.Sachlich zeigt sich die lateinische Vorlage außerordentlich vielgestaltig, sie bewegtsich von einfachen Erzählungen, vollständigen Lebensbeschreibungen mit trefflicherCharakteristik (Dist. VII, 16; Strange S. 17ff.): vita . Christiani monachi; VII, 38(S. 49ff.): vita . Walteri de Birbech) bis hinauf zu höchst verwickelten scholastischenErörterungen (VII, 16 [S. 22]: Art und Wirkung der Gnade; VIII, 1 [S. 80]: überVisionen: IX, 1 [S. 165]: über das Sakrament usw.). Stilistisch sehen wirneben reichlichem Gebrauch abhängiger Sätze (mit cum, ut, antequam) eine starkeVerwendung der relativischen Anknüpfung, des Abi. absolutus, des Partizipiums,des Gerundiums (weit zurücktretend des Akk. c. Inf.), wodurch die Vorstellung einedie Übersetzung erschwerende prägnante Kürze und Zusammengedrängtheit erlmlt.Ferner kennt die Übersetzungstechnik jener Zeit noch nicht die strengen Anforde-rungen von heule; sie ist vielmehr geneigt, mit vorausgesandter captatio benevo-lentiae aus der Not eine Tugend zu machen 1 ) und durch Zusätze, Weglassungen,

1 ) Vgl. unten S. 1, Z. 19: nach dem besten, als ich kan; Steinhöwel, Boccacciosberühmte Frauen ed. Drescher. Lit. Ver. Nr. 205, 8. 38: nit von wort zu wort, sundorvon sin zu sin getütschet; Steinhöwel, Esop ed. Oeslerley. Lit. Ver. Nr. 117, S. 4: nitwort usz wort, sonder sin usz sin.