Einleitung. XVII
'sedens super brachium crucis' (Strange S. 320), ivährend Hartlieb im Buch allerverbotenen Kunst noch hat 'vff dem dencken arm des crütz 1 ). Hartlieb wendet sichdann noch gegen die Geistlichen, welche meinen die (B. aller verb. K. Kap. 95erwähnten) Engelerscheinungen 'in der patden' rührten tatsächlich von Engelnher. Später aber, in unserer Gaesariusüber Setzung, gibt er dieselben Wunder ruhigwider; in seiner Widmung hatte er ja noch ausdrücklich bemerkt S. 1 Z. 23: 'undob . dise geschrillt alle erdicht waer, das doch nit ist ..."
Man sieht, Hartlieb kannte den Caesarius sclion 1456, aber die aus ihmentnommenen Stellen sind durchaus in tendenziöser Absicht verwendet, das zweiteBeispiel ist sogar direkt ins Gegenteil umgebogen. Von einer eigentlichen Über-setzung kann also damals noch nicht die Rede sein. Das Entstehungsjahr der'verpotten kunst' ist aber das Jahr, in welchem der Tod Hans Pütriclis des Älterenspätestens anzusetzen ist; daher kann er also nicht als Empfänger der Widmungin Betracht kommen.
Hans Püterich der Jüngere erscheint um 1447 und 1456 als Bürgermeistervon München 2 ); in den Stammtafeln des P. Agnellus Kandlow (bei Schmidtnera. a. O. 41, 61) heißt es: "Hanns der jünger zu Teutenhofen gesessen, in derdienersgassen [in München], genannt der starke Pütrich." Gemahlin: AnnaStreckhin [richtiger: Sterchin]. Beim großen Münchner Armbrustschießen amPfingstfest 1467 steht er noch in der Liste der Schützen. Bald darauf muß er ge-storben sein, also etwa ein Jahr vor Hartlieb. Am Weihnachtsabend 1467 war ernicht mehr am Leben; das zeigt ein Brief dieses Datums, worin zwei seiner Kinderwegen Ableben des Vaters unter Vormundschaft erscheinen^. Im inneren Rateerscheint Püterich oft: so 1448,1459,1464—67. Der innere Rat bestand aus 12 Mit-gliedern, durch welche die 24 Mitglieder des äußeren Rates gewählt wurden; derinnere Rat war mehr Obrigkeit, der äußere mehr Vertretung und Aufsichtsorgan*).Der innere ist also der einflußreichere und Püterich gehörte ihm augenscheinlichbis zu seinem Tode an. Man sieht, der Mann, mit den Hartlieb langjährige Freund-schaft verband und dem er sein letztes Werk widmete, befand sich ebenso wie Hart-lieb selbst in lioher äußerer sozialer Stellung, und wenn wir Hartliebs persönlicheWendungen betrachten, so muß man in Hans Püterich auch eine innerlich hoch-stellende Persönlichkeit erkennen.
Es war immerhin ein kühnes Unternehmen, das umfangreiche Werk desCaesarius in den vornehmen Kreisen Münchens bekannt machen zu wollen (S. 1Z. 19f.): und pitt dich, den [sc. übrigen Teil] mittailn allen guten und ergernden
1 ) In unserem Text S. 369, Z. 3 heißt der Abt Gerlach und es wird dort nur gesagt:„ich was gegenwurtig da Gots sün sein end nam und sein gaist auff gab und sas auffdem arm des chreücz." (Z. 9f.)
2 ) Mon. Boica XXI, 134.
3 ) Mon. Boica XIX, 285.
«) Biezler a. a. O. III, 756.
Deutsohe Texte des Mittelalters. XXXIII. II