XVI Einleitung.
In der hier in Betracht kommenden Zeit treten uns zunächst zwei HansPütriche, Söhne von Vettern, entgegen. Hans Patrick, zubenannt „der Ältere" 1 ),erscheint 1447 als Ratskerr, war Haupt der Linie zu Pasing und starb 1455 oder1456; Hans Patrick „der Jangere", „zw Tawttenhofen", ist der Stifter derDeutenhofer Linie (gestorben 1467) (s. unten).
Alle Umstände, Zeit und schriftstellerische Entwicklung Hartliebs weisendarauf hin, daß dieser Jüngere der Empfänger der CaesariusüberSetzung gewesenist; eine einfache Erwägung macht dies zur Gewißheit.
Im Jahre 1456 schrieb Hartlieb, wie wir wissen, sein 'puch aller verpottenkunst' 2 ). Hier findet sich eine dreimalige Erwähnung des Caesarius. Zuerst:'Das zwölft capitel, ain gut byspild von dem tuiffel vnd ain rechter gelaub.Man liszt jn dem püch der zwyrede Cesary (D. Ulm S. 10ff. ; Kap. 12—16) =List. V, 36: de daemone, qui in specie hominis militi fideliter servivit = StrangeS. 319. Hartlieb setzt es her, um den Kurfürsten Johann von Brandenburg, denAlchymisten, zu ermahnen, nach dem Beispiele des Ritters bei Caesarius sich vonTeufelskünsten fernzuhalten. Mit dem zweiten Beispiele (D. Ulm S. 19, Kap. 29:Man liszt in dem püch der wunder Cesary) will Hartlieb den Fürsten von derKunst der 'Notarey' abhalten: 'das ainer durch ettlich wort, vigur vnd caracteralle kunst lernen macht' 3 ). Es ist (= Dist. I, 32) die Gesckickte von dem Weisheitverleihenden Steine, den der Teufel dem erkrankten Scholaren zurückläßt. Hieraber gibt Hartlieb bloß den für seine Zwecke passenden ersten Teil der Erzählungdes Caesarius wieder, nämlich die Verdammung des Sclwlaren und schließt kurz:jn kurtzen zeiten starb der münch, er ward verdambt' (S. 19) und unter-drückt die, von Caesarius noch weiter berichtete, spätere Erbarmung Gottes, dieErlösung, Wiederbelebung und den frommen Lebenswandel des Reuigen, derschließlich als Abt von Morimond stirbt.
Die dritte Stelle {Kap. 95, D. Ulm S. 57: Man liszt jn dem püch Cesary),scheint nur ein freies Zitat aus dem Gedächtnisse zu sein, angeführt zum Beweise,wienaheder Teufel dem Göttlichen sei. Bei Caesarius (Dist.XII Kap.5—Str.318ff.)redet der schwer erkrankte Ritter Walter von Endenick mit dem Teufel, der vondem Sterbelager des Abtes Gevardus kommt. Bei Hartlieb ist der Fragende 'ainsäliger münich' und der Teufel will die Seele Bruder Hermanns von Hemmerode(Eifel) gewinnen. Auf die Frage, wie er zu 'so ainem hailigen manne' komme,antwortet der Teufel: er sei sogar schon beim Hinscheiden Ckristi zugegen gewesen
1 ) Schmidtner, Oberbayr. Arch. 41, 50ff. — Lipowsky a. a. O. I, 184.
a ) Johann Hartliebs Buch aller verbotenen Kunst. Hrsg. von Dora Ulm. Halle(Saale) 1914.
3 ) D. Ulm S. 18 unten. [Über Namen und Wesen dieses Zweiges der Magie vgl.meinen Kommentar zum Achermann aus Böhmen (Vom Mittelalter zur Reformation III, 1,Berlin, Weidmannseihe Buchhandlung 1917) zu Kap. 26, Zeile 30 Notenkunst (ars notoria)S. 360 — 363. Hier ist auch S. 362, Z. 7 ff. die oben angeführte Stelle aus Hartliebs Schriftmitgeteilt und erklärt. Sonstige Verweise auf diese von Dora Ulm ungenügend behandelteSchrift gab ich ebenda S. 339. 346. 348. 351. 352. 353. 355. 358. Brd.]