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Johann Hartliebs Übersetzung des Dialogus miraculorum von Caesarius von Heisterbach
Entstehung
Seite
XIV
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XIV Einleitung.

Aus alledem ergibt sich, daß die Register nicht nach unserem Texte ge-arbeitet wurden, sondern daß beide für sich, eins ohne Rücksicht auf das andere,aus einer besonderen Vorlage übernommen wurden. Es scheint aber sogar, als obdie Eintragung der Kapitelzahlen im Texte nach einer anderen Vorlage gemachtwäre als die Abschrift selbst, denn während z. B. Bist. VII bei Strange, Kap. 34:de Beatrice custode nicht nur in Register und Text, sondern auch in unsererganzen Gruppe (oben S. XI f.) fehlt, d. h. also auch in I, und während daher dasRegister bei Hartlieb und in I dieses Kapitel nicht mitzählen, überspringt Hart-liebs Textzählung an dieser Stelle die Zahl 34, trotzdem der Text das Kapitel auchnicht entliält, und geht entsprechend der Zählung bei Strange von 33 gleich auf 35.

Aus all diesen Tatsachen ersehen wir 1. neben den fortlaufenden Überein-stimmungen zwischen den Texten von Hartlieb und I die gleichen Übereinstim-mungen auch bei den Registern und 2. als neues wichtiges Ergebnis in beidenÜberlieferungen die starke Verschiedenheit der Register und der Texte, die unsgeradezu zwingt, für die Register ursprünglich eine völlig gesonderte Überlieferunganzunehmen.

Wo die Stelle war, an welcher diese Verbindung zwischen dem lateinischenTexte und den aus einer andersstehenden Überlieferung stammenden Registernvorgenommen wurde und wie sie etwa erfolgte, ist zurzeit noch nicht zu erkennen.WahrscJieinlich aber lag diese Stelle nicht zu weit hinter I zurück, von wo sie dannauch in die unmittelbare Vorlage Hartliebs hineinkam. Das Verliältnis der Re-gister zu den Texten kann bei der Beurteilung der Handschriftenfiliation beimGaesarius eine Rolle spielen.

Mit einer starken persönlichen Lobpreisung hat Hartlieb seine Übersetzungdem 'Hanns Pütrich, purger zw München' (vgl. Text S.l, Z.16f.) gewidmet. Mitdieser Widmung aber tritt er nicht, wie man vielleicht glauben könnte, aus denvornehmen Kreisen heraus, denen er seine Werke bisher zugeeignet hatte. DiePüterichs waren eines der ältesten Münchner P atrizier geschlechter, reich undangesehen, durch eine stattliche Reihe wohltätiger Stiftungen rühmlichst bekannt.Sehr liäufig erscheinen Mitglieder des Geschlechtes in den verschiedensten Ur-kunden der damaligen Zeit. Auch dem Herzog selbst waren sie teilweise nähergetreten; der scharfe Gegensalz zwischen Fürsten und Bürgertum bestand unterAlbrecht III. ohnehin nicht mehr, und gerade damals fand ein Aufsteigen derwohlhabenden Bürger in die Kreise des niederen Adels statt. DieGeschlechter"des hölieren Bürgerstandes zählten zu den Wappengenossen, besuchten zum Teildie Turniere, wurden vom niederen Adel als ebenbürtig anerkannt und stelltengleich diesem den Landesherrn Beamte; die städtischen Behörden, besonders derinnere Rat, setzte sich in der Regel aus ihren Kreisen zusammen 1 ). Sie bildetenallmählig mit den von ärmlichen Höfen auf dem Lande in diewohnliche, sichereund belebte Stadt" gezogenen Edelleuten das Patriziat; Patrizier und Handwerker

J ) Vgl. S. Riezler, Geschichte Bayerns III, 754.