198vortreten, als die Farbe. Die Atmosphäre ist gewöhnlich trübeund melancholisch, in Dämmerungs=, Morgen= oder Abendbe-leuchtung erscheinen die Gegenstände theilweis verschleiert, undder Zauber sanfter Wehmuth und Poesie darüber ausgegossen.Vorder= und Mittelgrund sind mit Recht die Hauptsache, undan ihnen ist die Kunst der feinsten Zeichnung und Kenntniß derNatur sichtbar; Fernsichten sind zwar nicht selten, aber hierkommt es nicht auföne Formen und Linien an, sie scheinennur des Contrastes und der Lichteffecte wegen vorhanden zusein.Was wir aber besonders zu rühmen haben, und von derhohen Geschmacksreinheit der Schule zeugt, das ist die Ueber-einstimmung des landschaftlichen Motivs mit der Staffage. Zuden Hügeln und Waldschluchten mit verfallenen Burgen undCapellen, den hohlen, verwitterten Bäumen, Heiligenkreuzen,Mühlen, Köhlerhütten u. s. w. gesellen sich einsame Wanderer,betende Pilger, Schläfer, Todte, spielende Kinder u. s. w., oderauch, wo die Spuren des Menschen die Einsamkeit der Naturstören würden, erblickt man vereinzelt Kühe, Rehe, Hirsche,Wölfe, Füchſe, oder Vögel: Reiher, Krähen und Kraniche.So weit es möglich, streben die Künstler darnach, den geistigenAusdruck in die Conception der Landschaften zu legen, undpsychische Gefühle und Zustände aus dem rein physischen Mo-tiv sprechen zu lassen. Dies konnte ihnen jedoch nur vollkom-men gelingen, wenn sie in dem letztern Einfachheit vorwaltenließen, oder mit andern Worten: nicht nach dem Schönen undPrangenden ausgingen, weil dieses, wenn es erreichbar, daspsychische Motiv nicht zum völligen Durchbruch kommen ließe.So mag es geschehen, daß die düsseldorfer Landschafter häufigdie natürliche Scene aus den einfach düstern und wilden Ge-
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Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
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