Druckschrift 
Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
Entstehung
Seite
155
Einzelbild herunterladen
 

155einem gewissen Grade. Ein gemalter Wurm z. B. mag derBefriedigung des Wissenstriebes wegen behagen, aber man stellesich dreißig Stück über= und durcheinander kriechend vor undfinde dieses Convolut noch ästhetisch!Treibt man den Naturalismus bis dahin, so ist man wahrlichnicht weiter gekommen als die italienischen Naturalisten des16. Jahrhunderts oder gar die alten Maler mit ihren Märtyrer-scenen. Uns wenigstens will es scheinen, die Wirkung auf dasGefühl sei nicht sehr verschieden, ob wir geschundene und in Oelsiedende Heilige erblicken oder diesen Haufen verstockter, reuiger,weinender und schlafender Zuchthäusler, welche eben eine Predigtvernommen haben, die der Zuschauer nicht vernommen hat.Banditen und Mörder im Costume und einsame Gefangene imKerker sind malerische Gegenstände, aber wahrlich keine armenZuchthäusler. Diese könnten nur in einem Spottgemälde modernerStaatseinrichtungen angebracht werden, z. B. um das Nützlich-keitssystem unsrer Regierungen zu verhöhnen, nach welchem dieSpitzbuben weben und spinnen müssen und vielleicht eben des-halb eingefangen werden, denn daß es Absicht sei, sie zu strafenoder gar zu bessern durch das ökonomische Zusammenpferchenwird wohl mit der Zeit Niemand mehr glauben. Für dasBessern glauben die Gefängnißgesellschaften hinlänglich gesorgtzu haben, wenn sie eine Capelle im Zuchthause einrichten undeinen Geistlichen installiren. Aber diese Geistlichen ernten keineFrüchte und die Saat des Bösen ist überstark, weil die altenSpitzbuben gleich mit Dünger bei der Hand sind, wenn einjunges Pflänzchen erscheint. Leider ist es zu bekannt, daß dieentlassenen Sträflinge Magister des Teufels sind, wenn sie auchbei ihrem Eintritte erst Lyceisten waren.Herr Heine hat leider keine Satyre auf die Zuchthäuser