151Stimmung, wie beim Anblick eines lebenden Kranken, nicht er-wehren kann; — Tadel, weil der Maler einen Stoff wählte,der den Zuschauer eben nicht zu erheben vermag. — DerRathsherr sitzt im Sammetrock und Pelzmantel an einem Arbeits-tische mit Acten und einer kolossalen Arzneiflasche bedeckt. Vor ihm-steht sein niedliches kerngesundes Töchterchen mit lichten schönenHaaren und großen Unschuldsaugen, welches der Kranke mitmatter Wehmuth anblickt und seine Hand segnend auf dasKöpfchen legt. Um den Gegensatz zu vollenden hängt an derWand das lebensgroße Portrait einer jungen schönen FrauMag der schwindsüchtige Patrizier mit seinen Acten scheidenuns bleibt ja das lebensmuthige Bild seines Töchterleins,welches die Welt nicht aussterben lassen wird. Schon gleichin einem andern naturduftigen Bildchen: „Zwei Kinder imKahne“ begegnen wir ihm wieder. Hier will es in dem TeicheWaſſerlilien pflücken, und biegt ſich über den Rand des Kahnsaber das liebende Brüderchen umfaßt es und warnt vor derGefahr.„Die Chorknaben bei der Vesper“ haben ihr Glückgemacht und sind zu ihrer Zeit von den Zuschauern sehr gehät-schelt worden, was ihre niedlichen delicaten Gestalten allerdingsverdienten; allein das ganze Kunstwerk als Kunstwerk müssenwir demungeachtet unter das läppische Genre verweisen. VierKnaben in weißen Chorhemden und rothen Unterkleidern stimmenkniend zum Lobe der Kirche ein Lied an, aber einige unter ihnenennuyren sich an dem unverständlichen lateinischen Texte undtreiben Allotria. Das ist recht klug und hübsch, aber dientweder zum Frommen der Kirche noch der Kunst, zwei Potenzen,die hier zufällig zusammentreffen.
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Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
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